1. Was ist Fracking? Woher kommt der Begriff?
Fracking ist eine Kosename für Hydraulic Fracturing (englisch für hydraulisches Aufbrechen). Dabei wird durch das Einpressen von Wasser-Gas-Chemie-Gemischen das Gestein um eine Bohrung aufgebrochen. So lassen sich Speicher erweitern, weil vorhandene Klüfte mittels des hydraulischen Druckes aufgebrochen werden. Diese Methode wird seit den 1960er Jahren angewendet - sowohl bei der Gewinnung von Erdöl und Erdgas sowie als Untersuchungsmethode.

2. Wo wurde in Sachsen-Anhalt gefrackt?
In der Altmark - der größten Erdgaslagerstätte im Osten Deutschlands - sowie in Bad Lauchstädt bei Halle hat es seit den 1970er Jahren immer wieder Frac-Behandlungen gegeben. "Eine Gefährdung der nutzbaren Grundwasserleiter kann aufgrund der Tiefe der entsprechenden Stellen in der Altmark von mehr als 3000 Metern (...) ausgeschlossen werden", sagte im Mai 2011 die damalige Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU). Außerdem ist die Technologie von 1978 bis 1998 als Untersuchungsmethode in der Altmark, der Colbitz-Letzlinger Heide und der Querfurter Scholle angewendet worden.

3. Wie oft wurde in der jüngeren Vergangenheit in der Altmark gefrackt?
Seit der Wende ist in der Altmark 20-mal gefrackt worden - darunter 15 mal von 1990 bis 1992. Stimulationsbehandlungen gab es folgende: bei Altensalzwedel (151-mal 2003), Salzwedel (insgesamt 44-mal 2003 bis 2005), bei Püggen (132-mal 2006) und bei Mellin (20-mal 2010).

4. Wird in der Altmark aktuell gefrackt?
Seit der Anwendung der Technologie im Dezember 2010 bei Mellin sei das Fracking in der Altmark nicht mehr angewendet worden, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt.

5 .Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus? Das Schiefergas-Fracking erfreut sich in den USA und Russland wachsender Beliebtheit bei den Energiekonzernen. In den USA werden bis zu 40 Prozent der Gesamtfördermenge aus unkonventionellen Gasvorkommen gefördert. In Frankreich ist die Technologie verboten. In Bulgarien und Rumänien haben die Politiker Moratorien verhängt.

6. Wie viel Schiefergas gibt es in Sachsen-Anhalt?
Einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe zufolge gibt es im Norden Sachsen-Anhalts und in ganz Norddeutschland Gesteinsvorkommen mit Schiefergaspotenzial. Wie viel Gas zwischen den Schichten lagern könnte, sei aber erst 2015 absehbar, heißt es in der Studie "Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland". Dann soll das Projekt beendet werden. Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt geht davon aus, dass das Potenzial im Bundesland gering ist. Es ist nach Einschätzung des Landesamtes für Geologie und Bergwesen sehr unwahrscheinlich, dass diese Gesteine in Sachsen-Anhalt Gas in den Mengen enthalten, die ein Gasvorkommen darstellen. Bislang ist nach Aussage des Magdeburger Wirtschaftsministeriums noch kein unkonventionelles Gasvorkommen in Sachsen-Anhalt entdeckt worden. Im Erlaubnisfeld Harz-Börde habe das Unternehmen BNK Erkundungsarbeiten "wegen fehlender Erfolgsaussichten" abgebrochen. "Aktuell liegen dem Landesamt keine Anträge zur Erkundung beziehungsweise Förderung unkonventioneller Gasvorkommen durch Fracking oder wirkungsgleiche Verfahren vor", sagte Ministeriumssprecher Robin Baake.

7. Wie ist die Gesetzeslage in Deutschland?
Seit 2013 gilt in Deutschland ein Fracking-Moratorium. Die Bundesregierung erließ aber auch kein generelles Verbot. Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) haben ein Eckpunktepapier für ein Fracking-Gesetz erarbeitet. Danach sind Fracs bis zu einer Tiefe von 3000 Metern untersagt. 2021 soll dieses Verbot überprüft werden. In Wasserschutz- und Natura-2000-Gebieten soll das Errichten von Fracking-Anlagen nicht erlaubt werden.

(Quellen: Landesregierung, Wikipedia, pn)

Pretzier l Geschäftsführer Jörg Sperling entwirft mit sieben Angestellten seiner Firma STA Maschinen für die Förderung von Erdöl und Erdgas - mobile Pumpaggregate, Tanksysteme, Zementmischer und mehr. "Fracking ist unser tägliches Geschäft", sagt er. Um die eine Million Euro müssen die Auftraggeber etwa für ein Fahrzeug mit Pumpaggregat auf den Tisch legen. Gefertigt werden diese in der Altmark in Zusammenarbeit mit Firmen in Salzwedel, Klötze, Kakerbeck und Zulieferern aus ganz Deutschland und dem Ausland.

Auf die Pläne der Bundesregierung angesprochen, die Anwendung der Technologie zumindest bis 3000 Meter zu verbieten, reagiert der Ingenieur locker. "Meine Kunden sitzen vor allem im Ausland", sagt Sperling. Er steht vor einer Weltkarte. Mit bunten Fähnchen sind die Länder seiner Auftraggeber markiert: da-runter Kanada, USA, Niederlande, Frankreich, Indien, Polen, Russland, Kongo und Türkei. Russland und Amerika sind Hochburgen der Technologie. Dort wird seit Jahren massiv gefrackt.

Sperling ist ausgebildeter Tiefbohringenieur. 3000 Fracs hat der Altmärker selbst betreut. Zu DDR-Zeiten war der Oebisfelder unter anderem in Bad Lauchstädt bei Halle im Einsatz. Kurz vor der Wende kam er nach Salzwedel. Ein paar Jahre später machte er sich selbständig. Sein Job war es, zu berechnen, wieviel Sand, Wasser und Chemikalien für die jeweiligen Frac-Vorgänge eingesetzt werden müssen.

Heute kümmert er sich vor allem um die Lieferung der Technik. "Und die ist ja nicht neu", sagte Sperling. Schon seit den 1950er Jahren wird Fracking genutzt, um Erdölquellen und Erdgasvorkommen "zu stimulieren" - wie der Fachmann sagt - und so den Ertrag zu erhöhen. Neu sei die Möglichkeit, mit der Technologie gewinnbringend an Rohstoffe zu gelangen, die in Gesteinsschichten wie dem Schiefergas gespeichert sind, erklärt Sperling.

Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, einer Art Sand und chemischen Zusatzstoffen mit großem Druck und hoher Geschwindigkeit über die Bohrung in das Gestein gepresst. Bis zu 20 Pumpen werden benötigt. Beim Schiefergas-Fracking werde so gut wie keine Chemie benötigt, sagt Sperling. Das verpumpte Wasser sprengt die Schieferschicht auf. Der Sand verhindert, dass die Risse wieder schließen. Das Gas fließt dem Riss zu und kann über die Bohrung austreten. Die Frac-Flüssigkeit tritt kaum mehr zu Tage, die Lagerstättenwässer werden mitgefördert.

"Natürlich ist es auch gefährlich. Jedes Handeln hat sein Risiko."

Bei Gasvorkommen in Sandsteinschichten sehe die Lage anders aus, erläutert der Fachmann. Je poröser das Gestein, desto mehr Zusätze sind nötig. Das Wasser-Sand-Chemie-Gemisch schießt durch den Stein. Die Chemikalien wirken dabei wie eine Art Tapetenkleister, bei dem die Viskosität ausgenutzt wird. Die Chemiekalien verkleben die Seitenwände und sorgen dafür, dass die Flüssigkeit nicht zu verschiedenen Seiten ausbricht, sondern das Gestein relativ geradlinig durchbricht. So wird eine größere Oberfläche und somit ein stärkerer Gas- oder Ölzufluss gewährleistet.

Die eingesetzten Chemikalien seien meistens kein Problem, sagt Sperling. Viele unterlägen gar dem Lebensmittelrecht. Allerdings gäbe es auch Ausnahmen. So kommen beim Erdöl-Fracking Fungizide - also pilztötende Chemikalien - zum Einsatz. Das sieht auch Sperling kritisch. Viel problematischer sei es aber, wenn die Bohrungen nicht ordentlich zementiert worden seien. Dann tritt Gas und gegebenenfalls Frac-Flüssigkeit zwischen Gestein und den einzementierten Rohren aus. Und dieses Lagerstättenwasser sei sehr oft mit Schwermetallen belastet.

"Natürlich ist es auch gefährlich. Jedes Handeln hat sein Risiko", sagt Sperling zu Bedenken der Umweltschützer. "Aber viele Bürgerinitiativen sind im Prinzip gegen alles, teilweise schlecht informiert und wollen sich die Argumente, die für einzelne Technologien sprechen, nicht anhören." Sie verhinderten so den Fortschritt bei sinnvollen Techniken wie im Bereich der Geothermie. Dennoch seien Umweltschützer wichtig, betont Sperling. "Sie üben Kontrolle über Wirtschaft bis zur Politik aus." Das von der Bundesregierung geplante Gesetz zum Fracking schaffe jedoch Sicherheitsprobleme, warnt Sperling. "Wir schieben das Riskio und die Kontrolle nach Russland ab."

Denn: Deutschland importiert ein Drittel seines Gasbedarfes aus Russland, und ein guter Teil davon wird mit Fracking gewonnen. Zwar seien die Umwelt- und Sicherheitsstandards in Ländern wie Russland gewachsen - aber an die deutsche Sicherheit reichten diese nach Sperlings Einschätzung nicht heran.

Sperling geht davon aus, dass sich das Schiefergas-Fracking in Deutschland ohnehin nicht lohne. Er zieht dazu folgenden Vergleich: In den USA sind die Schiefergesteinsschichten bis zu 200 Meter mächtig, in Deutschland lediglich bis zu zehn Meter. "Hier gibt es viel weniger Raum für das begehrte Gas."

   

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