Die Aufräumer
Im Land gibt es sieben Autobahnmeistereien: auf der A2 in Theeßen und Irxleben, auf der A14 bei Plötzkau (mit B6), Halle/ Peißen, auf der A9 in Dessau und Weißenfels sowie auf der A38 bei Sangerhausen.
Die rund 460 Kilometer Autobahn in Sachsen-Anhalt werden von mehr als 100 Mitarbeitern betreut. Täglich ist pro Abschnitt ein Team als motorisierte Straßenaufsicht unterwegs.

Magdeburg l Ilona Krüger schimpft laut vor sich hin. Hören kann sie aber keiner. Der Lärmpegel an ihrem Arbeitsplatz der Autobahn 2 zwischen Lostau und Theeßen im Jerichower Land ist einfach zu hoch. Im Schnitt nutzen täglich 66000 Fahrzeuge die Strecke. Rechts und links neben den Leitplanken sammelt die Mitarbeiterin der Autobahnmeisterei die Hinterlassenschaften der alltäglichen Blechkarawanen ein. "Fernseher, Mikrowellen, Handys. Es gibt nichts, was hier nicht liegenbleibt", sagt Ilona Krüger, die nächstes Jahr ihr 25-jähriges Dienstjubiläum auf der Autobahn begeht.

"Wir haben hier vor kurzem sogar eine ganze Wohnzimmereinrichtung gefunden." Mario Räck, Autobahnmeisterei

Sie hält einen Müllbeutel weit von sich entfernt und trägt ihn mit gerümpfter Nase zum nächsten Abfallbehälter. Die "Truckertoilette" bringt auch ihren Kollegen Mario Räck in Rage: "Ich verstehe nicht, warum so viele Lkw-Fahrer während der Fahrt ihr Geschäft erledigen und dann das Zeug einfach aus dem Fenster werfen. Man kann doch mal ein paar Minuten den Lkw anhalten. Dafür gibt es Rastplätze." Solche aus dem Fenster geworfenen Fäkalien-Beutel oder mit Urin gefüllten Kunststoffflaschen finden die Räumkommandos in der letzten Zeit immer häufiger am Straßenrand.

Vor allem die Anonymität entlang der sechspurigen Trasse mache für viele die illegale Müllentsorgung möglich. "Wir haben hier vor kurzem sogar eine ganze Wohnzimmereinrichtung gefunden", sagt der Theeßener Einstatzleiter Henry Lendel. Der 52-Jährige ist sich sicher, dass die Möbel nicht von einer Umzugsfirma einfach stehengelassen wurden. "Das wird hier als Müllhalde genutzt. Die Leute sind zu faul, auf die Deponie zu fahren", sagt er. Zu seinem Einzugsbereich gehören 63 Kilometer Autobahn inklusive Anschlussstellen. Dazu gehören sechs Parkplätze und zwei Rastanlagen.

Rund 60000 Plastiksäcke voll Müll fallen jährlich allein in Theeßen, einer von sieben Autobahnmeistereien im Land, an. In der Woche kommen dort etwa 140 Kubikmeter Abfälle zusammen, im Sommer noch etwas mehr. Landesweit werden nach Angaben von Christoph Krelle, Fachbereichsleiter Autobahn bei der Landesstraßenbaubehörde, rund 2,5 Millionen Euro allein für die Müll-entsorgung ausgegeben.

Nicht nur absichtlich landet allerlei Seltsames rechts und links der Leitplanken. Jede Menge Strandgut wird auch vom Straßenrand eingesammelt. "Besonders häufig bleiben Kennzeichentafeln liegen. Die geben wir dann bei der Polizei ab", erklärt Krelle.

Größere Gegenstände wie Kanthölzer, Leitern oder Fahrräder räumen die Mitarbeiter mit Unterstützung der Polizei und speziellen Absicherungsfahrzeugen von der Fahrbahn. Das komme aber seltener vor.

Ansonsten bleibt so ziemlich alles auf der Strecke, was der Alltag auf der Autobahn hergibt. Herren- oder damenlose Schuhe zum Beispiel. Der Grund könnte der Schuhwechsel an den Parkplätzen sein, wenn Trucker ihre Treter wechseln. Die stehengelassene müffelnde Massenware landet in der Regel im Müllcontainer.

Die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Irxleben haben aber auch schon eine geladene Pistole gefunden.

"Einer von uns freute sich auch schon über eine Million weißrussische Rubel im Gras." Einsatzleiter Henry Lendel

Manchmal wird auch ein Gebiss vermisst. "Vor einigen Jahren hat bei uns eine Frau angerufen und meinte, dass sie irgendwo an einer Raststätte kurz vor Leipzig auf der Autobahn 9 auf dem Weg nach Frankfurt von Berlin ihr Gebiss liegenlassen habe. Wir haben darauf alles abgesucht, aber nichts gefunden", so Krelle. Nur selten werden zum Beispiel auch vergessene Geldbörsen wiedergefunden, die oft lediglich kurze Strecken bei den hohen Geschwindigkeiten auf dem Autodach überstehen.

Diese Sachen landen später unweigerlich im Straßengraben. Autobahnmeisterei-Chef Lendel: "Früher haben wir die Taschen und Geldbörsen noch beim Einsammeln gefunden. Jetzt verwenden wir beim Mähen moderne Absaugtechnik, die auch alle Wertgegenstände erbarmungslos zerschreddert."

Manchmal finden die Frauen und Männer dann aber doch den einen oder anderen vermeintlichen Schatz. "Einer von uns freute sich auch schon über eine Million weißrussische Rubel im Gras. Das waren umgerechnet dann aber doch nur ein paar Euro", so Lendel. Solche und andere Fundstücke von vermeintlichem Wert werden bei der Autobahnpolizei abgegeben.

Rund 300 Fundstücke wie Kennzeichen, Handtaschen und Dokumente gehen jährlich allein im Autobahnrevier Börde an der A2 ein. "Wir versuchen, mit den Eigentümern Kontakt aufzunehmen oder schicken die Fundstücke an die örtlichen Gemeinden. Der Rest landet irgendwann im Fundbüro", erklärt Marc Becher von der Polizeidirektion Nord.

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