Magdeburg (dpa) | Die Planungen beginnen meistens schon lange vorher. Die Location wird gebucht, Fotograf, Friseur und oft auch ein Künstler werden bestellt – viele Familien treiben zunehmend großen Aufwand, wenn es um die Einschulung ihrer Kinder geht. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Gastronomie- und Handelsverbänden sowie bei Elternvertretern. Laut Kultusministerium werden zum neuen Schuljahr 2014/15 am 6. September voraussichtlich 17.440 ABC-Schützen eingeschult, im Vorjahr waren es fast genau so viele gewesen.

"Der Schulanfang ist ein wichtiger Tag für die Gastronomie im Land", sagte der Vizepräsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Hotel und Gaststättenverbandes Dehoga, Michael Pirl. Er sei zwar nicht so bedeutend wie die Jugendweihe oder die Konfirmation, aber Kosten und Mühe würden traditionell nicht gescheut, um den Tag zu einem Erlebnis für die Kinder werden zu lassen. Verwandte und Freunde würden in eine Gaststätte eingeladen, es gebe Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, oftmals würden abends auch noch kalte Platten bestellt. Es werde ein deutlich größerer Aufwand betrieben als im Westen.

Auch Karsten Bucksch, Vorsitzender der Landeselternvertretung für die Kita- und Hortkinder in Sachsen-Anhalt, macht die Beobachtung, dass die Einschulungsfeste immer bedeutungsvoller werden. "Natürlich gibt es auch die normalen Feiern in der Gartensparte, aber viele Eltern wollen ihren Kindern ein unvergesslichen Tag bieten." Es würden beispielsweise auch Künstler engagiert. Üblich sei es noch immer, dass die gesamte Familie samt Geschwistern und Großeltern mit zur Feier kommt.

Einschulungen werden in vielen Städten Sachsen-Anhalts auch von Gottesdiensten begleitet. In Aschersleben, Burg, Gardelegen, Magdeburg und Halle etwa erhalten die Kinder den Segen für das neue Schuljahr. "Das hat schon eine gewisse Tradition", sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedemann Kahl.

"Der Tag spielt auch im Handel ein große Rolle", sagte Knut Bernsen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt. Sowohl die Discounter als auch viele kleine Läden an der Ecke profitierten besonders von den Zuckertüten, die ja reichlich mit Süßigkeiten gefüllt werden müssten. Da Schulanfänger oftmals traditionell neu eingekleidet würden, sei der Tag auch für Textil- und Schuhgeschäfte wichtig.