Grundsätzlich seien sich Holländer und Deutsche ziemlich ähnlich, findet Kees de Vries. Aber: "Wir sehen zuerst die Chancen, dann die Risiken. Die Deutschen gehen eher auf Sicherheit." Und während man in Deutschland sehr auf die Geschichte bedacht sei, schauten die Holländer lieber nach vorn. Ansonsten seien die Nachbarvölker gleichermaßen strebsam. Daraus ergebe sich jedoch auch ein gemeinsames Manko: Die fehlende Lockerheit, das Leben einfach mal zu genießen.

Bei den Sprachunterschieden hilft Holländern in Deutschland ein gewisser Rudi-Carell-Bonus, findet der Landwirt. Er selbst lernte in der Schule zwei Jahre lang Deutsch, alles andere brachte er sich autodidaktisch bei. "Wenn ich hier am Anfang bei Verträgen etwas nicht richtig verstehen konnte, habe ich dreimal nachgefragt", feixt de Vries. "Dabei ging es um viel Geld - und Holländer sind schließlich Händler." Nur mit dem korrekten Gebrauch von "mir" und "mich" werde er wohl nie zurechtkommen, sagt de Vries. Er sei getröstet: Viele Eingeborene schaffen das auch nicht.

Gewöhnen musste sich der Neu-Deetzer auch an spezielle Sitten - etwa bei Beerdigungen. "Bei uns wird in der Kirche endgültig Abschied genommen." In Deutschland übliche Beileidsbekundungen am Grab waren dem Niederländer daher neu. Um die Klippe zu umschiffen, übte er sich in Zurückhaltung: "Ich habe einfach getan, was mein Herz mir gesagt hat."