Schönebeck/Magdeburg l Auch einen Tag nach dem Drohnendiebstahl von Magdeburg ist Christian Dobisch noch ratlos. Als der 20-jährige Schönebecker am vergangenen Sonnabend mit seiner Drohne - eine Sonderanfertigung, die sonst bei Unfällen und Katastrophen zum Einsatz kommt - Fotos von einer Hochzeitsgesellschaft an der St.-Petri-Kirche macht, merkt der erfahrene Techniker, dass etwas nicht stimmt. Immer wieder wird der Funkkontakt zu seiner Drohne gestört. "Ich hatte das Gefühl, als ob sie von einer anderen Fernbedienung gehalten wurde", sagt er.

Plötzlich drehte das unbemannte Fluggerät ab und bewegte sich auf einer sicheren Flugbahn in Richtung Werder und Stadtpark. "Das Signal der Drohne kam noch bei uns an. Über den Monitor konnten wir genau sehen, wo sie gelandet ist", erinnert sich der Schönebecker. Sofort steigt er ins Auto und fährt mit Freunden zu der Landestelle; doch die Drohne ist spurlos verschwunden.

Gute Drohnen haben Heimkehr-Funktion

Der 20-Jährige ist ratlos. "Es muss sich um einen Angriff gegen das System gehandelt haben. Einen technischen Defekt kann ich zu 99 Prozent ausschließen", analysiert er. Zwei wichtige Fakten geben Anlass, dass mit einem Störsender der Flug der Drohne manipuliert wurde. Zunächst sind Fernbedienung und Drohne technisch miteinander "verheiratet". Das ist sicherer als jede WLAN-Verbindung zu Hause.

Und: Jede gute Drohne hat eine sogenannte Coming-Home-Funktion. Das bedeutet, dass das Gerät bei einem Funkabriss automatisch zurückfliegt. "Warum das in diesem Fall nicht passiert ist, ist mir schleierhaft", so Dobisch, der vor fast einem Jahr deutschlandweit für Aufsehen sorgte, als er einen Ballon in 45 Kilometer Höhe steigen ließ und ein Video aufnahm.

Der Schönebecker geht von zwei möglichen Szenarien aus: Unbekannte stören das Signal, sehen die Landung und stehlen die Drohne. Zweite Variante: Der Funkkontakt wird zufällig gestört, die Drohne landet automatisch und ein Dritter findet diese und stiehlt sie.

Drohne ausgeweidet aufgefunden

Christian Dobisch erstattet Anzeige. Bei der Polizei ist man wegen des Vorfalls überrascht. "Die Ermittlungen laufen. Der Fall ist so bisher einmalig", sagte Marc Becher, Sprecher der Polizeidirektion Nord auf Anfrage der Volksstimme. Auch im Salzlandkreis gibt es von der Polizei Schulterzucken. "Nein, von anderen Drohnendiebstählen haben wir keine Kenntnis", so Joachim Beckert vom zuständigen Polizeirevier Salzlandkreis in Bernburg. Dass Drohnen aber plötzlich verschwinden, ist zumindest im Altkreis Schönebeck kein Einzelfall. Erst vor vier Wochen musste ein Mann aus Pömmelte den Verlust einer Drohne im Wert von 2400 Euro verschmerzen.

In der Nacht zu Montag bekommt Christian Dobisch eine E-Mail. Angeblich sei die Drohne gegen ein Haus geflogen, die Teile des Fluggerätes lägen vor der Tür. "Ich habe daraufhin die Polizei informiert", so Dobisch zur Volksstimme. Die Beamten rücken aus und finden tatsächlich die Teile, die der Schönebecker später auf dem Kommissariat identifiziert. Verschwunden sind aber die hochwertige Kamera und GPS-Module. Auch alle wichtigen Kabel sind durchtrennt, so dass keine weiteren Daten mehr ausgelesen werden können.

Zwei ältere Damen, die in dem Haus wohnen, berichten Christian Dobisch, dass die Drohne sauber und ordentlich gelandet ist. Spuren von dem angeblichen Zusammenstoß am Haus kann er nicht entdecken.