Förderprogramm
Im Rahmen des Förderprogramms "Sachsen-Anhalt MODERN" vergibt die Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) ab dem 1. September billige Baukredite an alle interessierten Wohneigentümer. Nach IB-Angaben ist das Programm nicht mit einer bestimmten Summe gedeckelt und nicht zeitlich befristet.
Pro Wohneinheit werden Kredite bis zu einer Höhe von 50000 Euro, pro Gebäude mit mehreren Wohnungen bis zu 750000 Euro gewährt. Mindestdarlehenssumme: 10000 Euro.
Die Laufzeiten betragen zehn bis 30 Jahre. Die Zinssätze (p.a. effektiv) liegen bei zehnjähriger Laufzeit zwischen 0,4 und 1,82 Prozent. Die anfängliche Tilgung liegt bei rund elf Prozent.
Die Kredite können für fast alle Baumaßnahmen beantragt werden. Darunter fallen altersgerechte Umbauten, das breite Feld von Sanierungsmaßnahmen zur Energieeffizienz und die Beseitigung von Vernässungsschäden - zum Beispiel Gebäude-Isolierungen oder die Sicherung von Heizungsanlagen. Daneben sind auch allgemeine Modernisierungen wie die Erneuerung von Fußböden oder die Erweiterung durch Aufstockung, Anbau und Ausbau möglich. Selbst die Kaufpreisfinanzierung wird unter bestimmten Bedingungen gewährt.
Die Förderung erfolgt komplett über den zinsgünstigen Kredit der IB. Von der Hausbank muss lediglich ein Formular "Hausbankstellungnahme" beigefügt werden. Infos zu "Sachsen-Anhalt MODERN" im Internet unter:
www.ib-sachsen-anhalt.de

Magdeburg l Das Förderprogramm "Sachsen-Anhalt MODERN" soll ab dem 1. September auf das gesamte Land ausgeweitet werden, gab das Bauministerium am Dienstag bekannt. Eine Mitteilung, die weitreichende Folgen für die Kreditwirtschaft auf der einen und bauwillige Wohneigentümer auf der anderen Seite haben könnte. Zukünftig lassen sich fast alle Bausanierungsmaßnahmen bis zu einem Volumen von 50000 Euro pro Wohneinheit zu Niedrigszinssätzen auf Staatskosten finanzieren.

Bislang war die Vergabe der subventionierten Darlehen auf Bauprojekte in Orten begrenzt, die auch im Rahmen von Städtebauprogrammen finanziell unterstützt wurden. Seit 2011 finanzierte die Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) vor allem altersgerechte Umbauten und Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Für Sanierungen in genau 3219 Wohnungen wurden seither 33 Millionen Euro Förderdarlehen gewährt, teilte das Bauministerium mit. "Mit neuen, verbesserten Förderbedingungen soll das Programm nun an die geänderten Bedürfnisse angepasst werden", begründet Bauminister Thomas Webel (CDU) die Änderungen (Infokasten).

Danach kann fast jeder Wohneigentümer die IB-Darlehen beantragen. Ausgenommen ist die Sanierung von Ferien- und Wochenendhäusern, Gebäuden mit Heimcharakter (z. B. Altenpflegeheime), Gewerbebauten und Photovoltaikanlagen. In Wohnungen und Miethäusern können fast alle Sanierungsmaßnahmen mit dem Darlehen umgesetzt werden. Selbst der Kauf kann finanziert werden, wenn das Objekt anschließend saniert wird. Neu ist auch, dass Förder-Darlehen für die Umnutzung von Gebäuden zu Wohnzwecken gewährt werden.

Baukredite sind ein wichtiges Fundament der Kreditwirtschaft. Laut Ostdeutschem Sparkassenverband in Berlin haben Privathaushalte in Sachsen-Anhalt derzeit einen Kreditbestand in Höhe von 3,8 Milliarden Euro. Davon entfallen mehr als 80 Prozent auf die Baufinanzierung. Der Verband sieht die Dumping-Kredite der Magdeburger Investitionsbank entsprechend kritisch.

"Es ist sehr diskussionswürdig, wenn der Staat als Bankier der Bevölkerung auftritt", so Verbandssprecher Wolfram Morales. Da werde mit staatlichen Subventionen Druck auf eine Branche ausgeübt, deren Broterwerb die Kreditvergabe ist. "Ein erfolgreiches Kreditgeschäft ist die Grundlage dafür, dass die Sparkassen ihre Filialen betreiben und Löhne und Gehälter bezahlen können."

Nach Einschätzung der Magdeburger Stadtsparkasse fußen die IB-Darlehen "auf subventionierten Zinssätzen, die am Markt so nicht zu finden sind", sagt Sprecher Mathias Geraldy. Man werde bemüht sein, den Kunden konkurrenzfähige Angebote zu unterbreiten.