Burg l Eine ungewöhnlich starke Polizeipräsenz gestern Nachmittag im Burger Wohngebiet Süd: Mit Klemmbrett und Phantombild machen sich 20 Beamte der Bereitschaftspolizei und des Reviers Jerichower Land in Zweier-Teams auf, um Hinweise zum Rewe-Überfall von vor zwei Wochen zu ergattern. Sie gehen von Hauseingang zu Hauseingang, sprechen mit den Anwohnern. Die reagieren oft sehr überrascht. Sie schauen sich die Zeichnung an - kurzes Überlegen, Kopfschütteln. "Das sind die Reaktionen, die wir schon gewohnt sind", sagt einer der Beamten. Desöfteren bleiben Türen verschlossen. Die Bewohner sind nicht da. Dann geht es zum nächsten Eingang. Die Aktion wird bis zum späten Abend fortgesetzt.

Hintergrund: Am 12. August erbeutete ein noch unbekannter Täter mit einer Schreckschusswaffe mehrere hundert Euro Bargeld aus einem Supermarkt am Burger Conrad-Tack-Ring (Volksstimme berichtete). Der Unbekannte legte zunächst einen Gegenstand auf das Kassenband und wartete, bis er zum Bezahlen unmittelbar an der Kasse stand. Dann forderte der unmaskierte Täter das Geld aus der Kasse.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, drückte er einmal mit der Pistole ab. Daraufhin legt die Kassiererin das Bargeld auf den Räumtisch. Der Täter stopfte das Geld in einen mitgebrachten, kleinen schwarz/gelben Beutel und flüchtete aus dem Supermarkt. Derzeit geht die Polizei von einem 40- bis 50-jährigen Täter aus. "Der normal bis kräftig gebaute Mann, ca. 1,70 bis 1,75 Meter groß, sprach mit einem wahrscheinlich russischen Akzent, der jedoch vorgetäuscht gewesen sein könnte", sagte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch vor zwei Wochen.

Die Polizei vermutete daraufhin, dass der Täter mit einem Fahrrad Richtung Burg-Süd oder den angrenzenden Gartenanlagen geflüchtet sein könnte. Seit dem wird nach dem Mann auch öffentlich gesucht.

"Den Täter haben wir noch nicht, aber dafür zwei, drei sehr gute Hinweise."
- Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch

"Den Täter haben wir noch nicht, aber dafür zwei, drei sehr gute Hinweise", verkündet Kriebitzsch am frühen Abend einen kurzen Zwischenstand. Diese werden während der Aktion weiter geprüft. "Wir müssen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung jetzt nutzen, um gegebenenfalls noch einen Erfolg zu erzielen", sagt Kriebitzsch.

Die Polizeiaktion konzentrierte sich auf das Wohngebiet in Burg-Süd. "Die Hinweise haben noch einen weiteren Aspekt hinzugebracht, aber dazu kann ich aus ermittlungstechnischen Gründen nichts näheres sagen", erklärt der Polizeisprecher. Von dem "Klinkenputzen", wie Krebitzsch es mit einem Augenzwinkern nennt, verspreche sich die Polizei sehr viel. Die sonstigen Mittel wie Spurensuche oder Öffentlichkeitsfahndung haben keine konkreten Hinweise liefern können. "Dann hat der Ermittler natürlich weitere Möglichkeiten, die er ausschöpfen kann. Diese Zeugenbefragung ist allerdings ein enormer Kraftaufwand", sagt der Sprecher des Polizeireviers Jerichower Land und fügt an: "Die Straftat hatte eine enorme Qualität. Es war kein einfacher Diebstahl, darum sollte der Fall mit absoluter Akribie aufgearbeitet werden und deswegen ist dieser Einsatz auch gerechtfertigt."

 

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