Magdeburg l Das frühere Kreiskrankenhaus Burg mit seinen 240 Betten ist äußerlich eine Augenweide: Gepflegte Anlagen und modernisierte Gebäude bieten beste Voraussetzungen für einen Heilerfolg, um den sich Ärzte und Schwestern sorgen. Nach der Privatisierung gehörte die Klinik erst zur Medigreif-Gruppe, dann zu den Rhön-Kliniken, nun zu Helios. Viel geändert hat sich seit der jüngsten Übernahme nicht, nach Volksstimme-Recherchen nehmen die Mitarbeiter den erneuten Besitzerwechsel mit Gleichmut. "Wir sind das gewohnt", meint eine Mitarbeiterin.

Für das laufende Jahr ist diese Gelassenheit angebracht. Denn die Wirtschaftspläne des Vorgängers Rhön-Klinikum für 2014 hat der neue Besitzer übernommen, erklärt Helios-Sprecherin Natalie Erdmann auf Nachfrage der Volksstimme.

Doch von 2015 an weht ein neuer Wind in den Häusern des größten deutschen Klinikbetreibers. Wie stark dieser blasen wird, hat Ulf Schneider Mitte Juli vorgegeben. Er ist Chef des börsennotierten Gesundheitskonzerns Fresenius, zu dem die Helios-Kliniken gehören. Schneider forderte von seinen Krankenhäusern 15 Prozent Gewinn. "Wir haben dutzendfach gezeigt, dass man ein Krankenhaus in diese Gewinnregion bringen kann", erklärte Schneider dem "Spiegel".

Wie nun aber darf man sich das genau vorstellen? Helios-Sprecherin Erdmann beruhigt für die betroffenen Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt zunächst einmal: "Dass diese Kliniken 15 Prozent Ergebnis vor Steuern zeitnah nach Übernahme erzielen sollen, war und ist nie Gesprächsgegenstand gewesen." Es soll scheibchenweise gehen: In Schritten von jeweils zwei Prozent pro Jahr sollen schließlich zehn Prozent im fünften Jahr nach der Übernahme der Krankenhäuser erreicht werden. Erdmann: "In der letzten Stufe sieht der Entwicklungsplan den Zielkorridor von 12 bis 15 Prozent vor."

Helios wolle dafür die Abläufe verbessern, um eine bestmögliche medizinische Qualität zu erzielen und gleichzeitig wirtschaftlich leistungskräftig zu bleiben. "Für uns schließt sich beides nicht aus", sagt die Sprecherin des Klinikverbundes. Sie kann auch mit Beispielen für das Burger Krankenhaus dienen. Die "Größenvorteile" vom gemeinsamen Einkauf, der regionalen Bündelung von einzelnen Verwaltungsaufgaben bis hin zum Direkteinkauf von Energie an der Leipziger Strombörse würden auch Burg zugute kommen.

"Wir haben zum Beispiel in Burg nur noch ein Warenwirtschaftssystem mit einem Artikelkatalog. Das hilft uns beim Austausch mit Lieferanten und unterstützt uns bei der Standardisierung gruppenweit", sagt Sprecherin Erdmann. Wichtig sei auch der Austausch auf medizinischer Ebene. Dazu gehörten wechselseitige Hospitationen von Medizinern, beispielsweise der Kardiologen aus Berlin-Buch, in Burg.

Also doch nur ein laues Lüftchen bis zum Gewinnziel? An der Köthener Helios-Klinik zeigt sich gerade eine andere Windstärke: Dort werden die Arbeitsbereiche von 27 Mitarbeitern zum 1. September ausgegliedert. Wegen der Bedingungen stritten Geschäftsführung und Betriebsrat sogar bis vor Gericht. Dort wurde eine Eskalation vermieden - nun soll eine Schiedsstelle die Sache klären.