Magdeburg l Der Auslöser für die Aktion "Wir servieren Zivilcourage" liegt schon einige Monate zurück. Im Januar dieses Jahres wurde das Schaufenster des Kaffeehauses "Strudelhof" an der Otto-von-Guericke-Straße mit einem Stein beschädigt. Café-Inhaber Andreas Bellini und seine Partnerin Karolin Köppe hatten im Vorfeld des Neonazi-Gedenkmarsches ein klares Statement abgegeben. "Kein Kaffee für Dich und Deine Freunde" stand unter einem durchgestrichenen Hitlerkopf. "Rassisten werden hier nicht bedient" hieß es auf dem kleinen Transparent weiter. Monatelang war das beschädigte Fenster sichtbar.

"Viele Leute haben uns nach dem Steinwurf Mut zugesprochen", sagte Andreas Bellini. In Gesprächen unter anderem mit Steffen Jany vom Café Central sei dann die Idee entstanden, dass Magdeburger Gastronomen in einer gemeinsamen Aktion den Schulterschluss üben.

Jedes Jahr würden sich im Januar zahlreiche Initiativen, Vereine und Einzelpersonen gegen den Naziaufmarsch engagieren. "Wir wollen zeigen, dass Engagement auch davor und danach wichtig ist", sagte Jany. Man wolle mit der Aktion ein Zeichen setzen und jeden Tag Ja zum Miteinander von Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion und Herkunft, sagen. Bisher beteiligen sich zehn Einrichtungen an dem Projekt.

Alle Orte bekommen eine offizielle Plakette. Auf dieser steht "Wir servieren Zivilcourage. Rassisten werden hier nicht bedient". Die Initiative wird unterstützt vom Bündnis gegen Rechts Magdeburg. Auf der Internetseite des Bündnisses sollen zukünftig auch alle beteiligten Einrichtungen aufgelistet werden.

Bei der Präsentation der Plakette, die am Montag zuerst an die Eingangstür des Strudelholfes geklebt wurde, gab es auch kritische Fragen. So ist etwa unklar, woran die Gastronomen etwa einen Rassisten erkennen wollen.

"Wir führen natürlich keine Kleiderkontrollen durch oder besitzen einen Gehirnscanner", sagte Jany vom Café Central. Vielmehr gehe es bei der Aktion darum, ein Zeichen zu setzen und sich zu solidarisieren. Außerdem gehe es auch darum, die Kundschaft zu sensibilisieren. So könnten sich die Gäste immer an die Gastronomen wenden, wenn sie beispielsweise etwas Diskriminierendes bemerkten oder beobachten würden. Der Anschlag auf das Strudelhof-Schaufenster habe alle wachgerüttelt. "Wir hoffen, dass sich uns noch andere Magdeburger Einrichtungen anschließen", sagte Jany weiter.

An der Aktion beteiligen sich bisher: Strudelhof, Il Capitello, Porten, Riff, Café Central, Nachdenker, Thiembuktu Stadtteilcafé, Volksbad Buckau und die Weinwirtschaft Grün. Weitere Infos: www.bgrmagdeburg.wordpress.com

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