Magdeburg l Die Lehrergewerkschaft GEW möchte herausfinden, wie oft Sachsen-Anhalts Schüler während der Schulzeit Videos sehen oder Massenunterricht in der Turnhalle bekommen, weil regulärer Unterricht ausfällt. An einem "Sorgentelefon" können Pädagogen, Schüler und Eltern jeweils mittwochs Beschwerden loswerden. "In diesem Schuljahr wird es die schlechteste Unterrichtsversorgung seit der Wende geben", begründete GEW-Landesvorsitzender Thomas Lippmann die Aktion.

Mit ihr will er Lehrer zugleich ermuntern, unzumutbare Mehrbelastung abzulehnen. "Wer zu seinem geplanten Unterricht noch eine weitere Klasse betreuen muss, kann dauerhaft beiden Aufgaben nicht mehr gerecht werden." Deshalb rate er Pädagogen, im Überlastungsfall Nein zu sagen. Sollte es anschließend eine Abmahnung geben, sehe die GEW einer juristischen Klärung mit Interesse entgegen. Wenn das Land sehenden Auges zu wenig Lehrer bereitstelle, müsse zwangsläufig die Versorgung leiden, sagte Lippmann.

Nach Zahlen des Kultusministeriums beträgt die Unterrichtsversorgung bei Grundschulen 106 Prozent, bei Sekundarschulen und Gymnasien unter 101 Prozent, bei Gemeinschaftsschulen und Förderschulen unter 102 Prozent. Die GEW hält 105 Prozent für das Minimum, um kranke Lehrer vertreten zu können.

Vom 3. September an ist das Sorgentelefon jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr unter der Nummer (0301) 7355455 geschaltet. Ansprechpartner sind GEW-Funktionäre und Personalräte.