Magdeburger Professoren im Ausland
Mit Hochschullehrern aus Magdeburg startet das "Deutsch-russische Institut für innovative Technologien" im russischen Kasan. Aus dem Bundeshaushalt fließt rund eine Million Euro, vor allem aus dem Wissenschaftsministerium. Der Deutsche Akademische Austauschdienst bietet Deutsch-Kurse an.

Die tatarische Hauptstadt Kasan liegt an der Wolga und hat rund 1,1 Millionen Einwohner. Diese sind je zur Hälfte Tataren und Russen. In der Stadt gibt es rund 30 Hochschulen. Aus den reichen Erdöl-Einnahmen fließen erhebliche Summen in die Bildung.

Bereits seit 2004 gibt es die Deutsch-Jordanische Hochschule in Amman. Deutsche Projektleiterin ist die Hochschule Magdeburg-Stendal. (he)

Magdeburg/Kasan l Unter Beteiligung der Universität Magdeburg hat am Dienstag in der russischen Teilrepublik Tatar-stan die erste deutsch-russische Hochschule die Arbeit aufgenommen. Sie bietet zunächst vier ingenieurwissenschaftliche Studiengänge an. 40 Studenten sind eingeschrieben, langfristig soll eine ganze Universität entstehen. Unterrichtssprache ist Englisch.

Die Lehrpläne stammen von den beiden deutschen Partnern, der Otto-von-Guericke-Universität sowie der federführenden TU Ilmenau in Thüringen. Der Magdeburger Elektrotechnik-Professor Stefan Palis hat bereits mit der Lehre begonnen, andere Wissenschaftler sollen ihm folgen. Russischer Kooperationspartner ist die angesehene Tupolew-Universität in Kasan.

Angesichts der Ukraine-Krise verzichtete die deutsche Seite beim Festakt auf hochrangige Politiker. Die Bundesrepublik wurde durch ihren Botschafter, Rüdiger Freiherr von Fritsch, vertreten. Für die Universität Magdeburg war Rektor Jens Strackeljan nach Russland gereist.

Die Hochschulgründung verstoße nicht gegen Embargobestimmungen, betonte er gegenüber der Volksstimme: "Das hier ist keine wirtschaftliche Betätigung. Ich setze auf die Wirkung des wissenschaftlichen und kulturellen Austauschs."

Russland wurde durch Rustam Minnichanow vertreten, den Präsidenten von Tatarstan. Ihm gegenüber habe der deutsche Botschafter mit Blick auf die Ukraine deutlich gemacht, dass Russland internationales Recht anerkennen müsse, sagte Strackeljan. Er selbst sieht in der Kooperation eine Chance für gegenseitiges Verständnis. "Die Möglichkeiten, einander zuzuhören, sind selten und werden wohl auch in der nächsten Zeit nicht häufiger." Strackeljan ist Ehrendoktor der Universität Kiew.

Rund eine Million Euro investiert Deutschland in die Hochschulgründung. Russland steckt nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die zehnfache Summe hinein.

An der Karl-Marx-Straße von Kasan ist im vergangenen Jahr ein modernes Gebäude mit 20000 Quadratmetern Fläche entstanden. Die Ausrüstung der Labore sei ausgezeichnet, sagte Strackeljan, davon könnten auch Magdeburger Wissenschaftler profitieren. Seite 4