Blankenburg l Es ist etwa gegen 8 Uhr, als die 78-jährige Frau mit ihrem Kleinwagen die falsche Auffahrt zur Bundesstraße 6 offenbar an der Anschlussstelle Heimburg im Harzkreis nimmt und entgegengesetzt der Fahrbahn in Richtung Wernigerode fährt, obwohl dies die Strecke nach Bernburg ist. Die "Geisterfahrerin" wird von Zeugen umgehend an die Polizei gemeldet. Diese informiert den Hörfunk.

Das Radio gibt sofort eine Warnmeldung heraus. Der Leiter des Revierkommissariates Autobahnpolizei Quedlinburg Mike von Hoff sagt später: "Als unsere Kollegen wegen der Falschfahrermeldung zum Einsatzwagen gelaufen sind, kam über Funk schon die Unfallnachricht."

Vor Ort, etwa 1000 Meter vor der Anschlussstelle Heimburg, bietet sich indes ein Bild der Verwüstung. Das Trümmerfeld nach dem Frontalzusammenstoß zwischen dem falsch fahrenden Auto und einem Pkw-Kombi erstreckt sich über knapp hundert Meter. Während die 78-jährige Fahrerin in ihrem Wagen eingeklemmt ist, bleiben die beiden Insassen des stark beschädigten Kombis wie durch ein Wunder unverletzt. Ein Tempolimit gibt es an dieser Stelle nicht. Ein Lkw-Fahrer, der direkt hinter dem Unfall gestoppt hat, stellt sich quer, um weitere Zusammenstöße zu verhindern. Die Schwerverletzte wird von der Feuerwehr Wernigerode aus dem Wrack befreit und mit mehreren Frakturen ins Krankenhaus gebracht.

Laut ADAC gab es im vergangenen Jahr 2200 Falschfahrermeldungen in Deutschland, 22 Menschen starben bei Unfällen. In Sachsen-Anhalt veranlasste die Polizei nach Angaben des Innenministeriums im vergangenen Jahr 52 solcher Warnmeldungen, die an den Hörfunk herausgegeben worden sind. 2012 waren es noch 72.

"Unfälle, die aus solchen Falschfahrten resultieren, sind sehr selten", sagt der Leiter des Verkehrsdienstes der Autobahnpolizei Börde Ronald Mandel. In seinem Bereich auf den Autobahnen 2, 14 und der B6 gab es in diesem Jahr erst einen Falschfahrerunfall. 2012 war es ebenfalls nur ein Unfall. "Die meisten bemerken ihr Versehen rechtzeitig", so Mandel.

Dennoch hat Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium alle Anschlussstellen und Parkplatzausfahrten zwischen Sommer 2012 und dem Frühjahr 2014 nach Checklisten unter anderem auf Markierung, Beschilderung und Verkehrsführung überprüft.

Zurzeit laufen mehrere Untersuchungen zum Thema "Falschfahrer-Warnungen" in Deutschland. Zwei Ergebnisse sollen im Herbst veröffentlicht werden, sagte gestern eine Sprecherin der Bundesanstalt für Straßenwesen. Zwei weitere externe Projekte laufen in Bayern und Hessen. Ein drittes startet gerade in Süddeutschland. Dort sollen Falschfahrer elektronisch erkannt und visuell sowie akustisch gewarnt werden.

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