Werben/Seehausen l Eltern, die ihre Kinder gestern zur Grundschule Seehausen brachten, bekamen einen Schreck, als vor der Schule ein Mann stand - ausgerüstet mit Fotoapparat und Headset. Schulleiter Reinhard Rieger wurde informiert und handelte sofort. Er stellte den Mann zur Rede. Er habe sich als leitender Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck vorgestellt. "Ich habe ihn darüber informiert, dass er kein Recht hat, vor der Schule eine solche Aktion durchzuführen, geschweige denn Fotos zu machen. Außerdem habe ich die Polizei verständigt", sagt der Schulleiter. Die Verwaltung Arneburg-Goldbeck habe in Seehausen keine hoheitlichen Rechte.

Was war geschehen? Die Grundschule Werben in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck wurde zum neuen Schuljahr geschlossen. Laut Festlegung müssen die Kinder aus dem bisherigen Einzugsbereich der Schule in die benachbarte Grundschule Iden wechseln. Nachdem alle Proteste erfolglos geblieben waren, gingen einige Eltern einen ungewöhnlichen Weg. Sie verlegten ihren Wohnsitz in Orte der Verbandsgemeinde Seehausen mit der Folge, dass ihre Kinder nun zum Schuleinzugsbereich von Seehausen gehörten. Dorthin meldeten sie ihre Kinder auch um.

Damit entstand ein neues Problem in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck: Die Grundschule Iden verfügt nun über deutlich weniger Schüler, als erwartet. Es handelt sich um acht Mädchen und Jungen aus Werben, die seit gestern nicht in Iden, sondern in Seehausen die Grundschule besuchen.

Das wiederum will die Verwaltung in Arneburg-Goldbeck offenbar nicht so ohne Weiteres hinnehmen. Sie entschloss sich zu einer größer angelegten Kontrolle, um zu erkunden, wo die betreffenden Eltern ihren Lebensmittelpunkt haben.

Verbandsgemeinde-Bürgermeister Eike Trumpf (CDU) aus Arneburg-Goldbeck bestätigte auf Anfrage, dass es die Aktion gab. Daran seien der Ordnungs- und Hauptamtsleiter beteiligt gewesen. "Ausschlaggebend waren ein Schreiben des Schulamtes und eine Aufforderung durch Mitglieder des Verbandsgemeinderates im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am Montag", so Trumpf. "Wir stehen in der Pflicht, Schein-Ummeldungen nicht zuzulassen. Die Kinder des Einzugsbereiches Iden müssen in Iden zur Schule gehen."

Betroffene Eltern, aber auch andere Personen, sind entsetzt über die Observierungsmaßnahme. "Das ist fast wie früher zu Stasi-Zeiten", meint Ines Bergmann aus Werben, eine der Elternvertreterinnen, gegenüber der Volksstimme. Und sie kündigt an: "Diese Aktion wird rechtliche Konsequenzen haben."

Nach Volksstimme-Informationen hat eine weitere Überwachung in Wendemark, einem Dorf zwischen Werben und Seehausen, stattgefunden.

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