Werben/Seehausen l Die Kinder stammen aus Werben und sollten nach Schließung der dortigen Grundschule in den Nachbarort Iden wechseln. Ihre Eltern haben das jedoch verhindert: Jeweils ein Elternteil hat den Wohnsitz mit dem schulpflichtigen Kind in die Nachbargemeinde Seehausen verlegt, der Rest der Familie blieb in Werben gemeldet.

Die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck will jedoch nicht dulden, dass die Kinder in Seehausen zur Schule gehen. "Das ist ein Verstoß gegen das Einwohnermelderecht", sagte Verbandsgemeindebürgermeister Eike Trumpf (CDU). Er ist überzeugt, dass die acht Familien nur auf dem Papier getrennt leben. Der Versuch, das mit einer Kontrolle des Schulwegs zu beweisen, sei allerdings "total schiefgegangen", räumte er ein.

In der Grundschule Seehausen hat das Auftauchen des mit einem Fotoapparat ausgerüsteten Verwaltungsmitarbeiters offenbar einige Schüler verstört. Der Mann sei mit Headset, schwarzer Mütze und hochgeklapptem Kragen aufgetaucht, berichtete Schulleiter Reinhard Rieger. "Ein Mädchen aus der zweiten Klasse wollte heute schon nicht mehr allein zur Toilette gehen, weil es Angst hat", sagte Rieger.

Der FDP-Landesverband kritisiert die Überwachungsaktion. Dadurch werde das politische Klima vergiftet, rügte Vize-Vorsitzende Lydia Hüskens. Auch Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck (parteilos) protestierte gegen das Vorgehen.

Die acht überwachten Eltern beraten am Wochenende weitere Schritte wie Anzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden. Ines Bergmann, Mutter eines Viertklässlers, will um jeden Preis verhindern, dass ihr Sohn den Schulplatz in Seehausen wieder verliert. Ihr Lebensgefährte hatte den Wohnsitz Mitte August in die Verbandsgemeinde Seehausen verlegt, in die Wohnung eines befreundeten Unternehmers. "Die Schule in Iden ist für meinen Sohn nicht geeignet, er braucht Luft und Freiräume", begründete Bergmann den Schritt. Notfalls würde auch die komplette Familie aus Werben wegziehen.

Bürgermeister Trumpf kündigte unterdessen an, andere Wege zu prüfen, um die vermuteten Scheinwohnsitze nachzuweisen. Das Landesinnenministerium konnte am Freitag nicht mitteilen, welche legalen Möglichkeiten es dafür gibt.