Magdeburg I Der Magdeburger Hauptbahnhof und angrenzende Bereiche sind wieder freigegeben. Der Hauptbahnhof und der Zentrale Omnibusbahnhof mussten am Sonnabendmorgen evakuiert werden. Gesperrt wurden vorsorglich der Kölner Platz, die Maybachstraße und der Konrad-Adenauer-Platz. Aus einem Behälter eines Eisenbahnwaggons war eine giftige und explosive Flüssigkeit ausgelaufen.

Bei der Havarie handelte es sich laut Feuerwehr nicht um einen Unfall. Die Flüssigkeit lief aus einem Kesselwagen aus einer undichten Stelle aus. Dabei handelte es sich um die Flüssigkeit MTBE (Methyl-tert-butylether), einem Zusatzstoff für die Benzinherstellung. "Die Flüssigkeit ist giftig und hat eine narkotische Wirkung", sagte Feuerwehr-Einsatzleiter Ulrich Claus. Nachdem die Feuerwehr die Lecks an dem Waggon abdichten konnte, wurde der Bahnhof in den Mittagsstunden schrittweise wieder freigegeben. Mittlerweile sind alle Gleise wieder zugänglich. Der Zugverkehr rollt.

Es kam aber zu zahlreichen Verspätungen. Teilweise waren Leute doppelt betroffen: Denn rund um den Bahnhof war schon wegen des zuvor angelaufenen Warnstreiks der Lokführer Chaos ausgebrochen. Fahrgäste versuchten auf Busse umzusteigen, um ihre Reise fortsetzen zu können. Die Bahn hatte für die durch den Streik ausgefallenen Züge Schienenersatzverkehr bereit gestellt. Die Nerven lagen blank. Manche Fahrgäste harrten seit den frühen Morgenstunden am Hauptbahnhof aus.

Der Lokführer des Güterzuges hatte am frühen Morgen das Leck selbst bemerkt und sofort Alarm geschlagen. Der Bahnhof wurde daraufhin voll gesperrt und geräumt. Der Zugverkehr musste eingestellt werden. Aufgrund der hohen Explosionsgefahr mussten die Einsatzkräfte sehr vorsichtig vorgehen. Nach dem ersten Leck wurde auch noch ein zweites entdeckt. Beide wurden abgedichtet. Insgesamt hat die Feuerwehr einen Liter MTBE aufgefangen. Einsatzleiter Claus sagte, dass der Güterzug nun Richtung Dresden rollen wird. Ursprünglich sollte dort geprüft werden, ob der Kesselwagen weiterhin dicht ist. Laut Bundespolizei wurde der Güterzug zum Bahnhof Magdeburg-Rothensee gebracht werden, wo der betroffene Kesselwagen von der Bahn-Konzerntochter DB Schenker untersucht wurde. Nach der Untersuchung der Fachleute der Deutschen Bahn konnte der Zug seine ursprüngliche Fahrt fortsetzen. Die genaue Ursache, wie es zu dem Leck kam, ist derzeit noch unklar. Ein Fremdverschulden wird jedoch ausgeschlossen.

Der Zug kommt aus dem Ruhrpott und ist auf dem Weg nach Tschechien. Durch die Sperrung des Magdeburger Hauptbahnhofes kam es bei 55 Zügen im Nah- und Fernreiseverkehr zu insgesamt rund 3000 Minuten Verspätung.



 

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