Magdeburg l "Hitler war stinksauer darüber, dass die Widerstandsgruppe \'Rote Kapelle\' so groß war", erklärt Ingolf Otto den Grund für den Groll des Führers gegen Mildred Harnack-Fish. Obwohl sie bereits wegen ihrer Tätigkeit im Untergrund zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, veranlasste Hitler persönlich, dass es zu einem zweiten Gerichtsverfahren kam, an dessen Ende die Guillotine auf die gebürtige Amerikanerin wartete.

Als Ingolf Otto und seine Frau Elke im Oli-Kino die Dokumentation "Wisconsin\'s Nazi Resistance" über Mildred Harnack-Fish sahen und mit Regisseur Joel Waldinger sprachen, war ihre Neugier geweckt. Ist die Harnackstraße womöglich nach ihr benannt?

Elke Otto machte sich im Stadtarchiv auf Spurensuche und stieß auf Ernst von Harnack als eigentlichen Namensgeber, einen Vetter von Mildreds Mann Arvid. Weil aber die ganze Familie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war - neben den dreien noch Arvids jüngerer Bruder Falk, der auch Kontakt zu den Geschwistern Scholl hatte - entstand die Idee, eine Gedenktafel für sie in der Harnackstraße einzurichten. Der SPD-Ortsverein Mitte/Altstadt unterstützte das Vorhaben der Ottos gern und auch Konrad Woitag, Schulleiter des Hegelgymnasiums, war sogleich bereit, einen Platz an der Schulmauer dafür freizugeben. Gestern wurde die Tafel dort angebracht.

Mildred Harnack-Fish lernte ihren Mann Arvid in den USA während seines Studiums dort kennen und heiratete ihn 1926. Gemeinsam gingen sie 1931 nach Deutschland, wo sie zunächst an der Berliner Universität lehrte. Nach Hitlers Machtergreifung nutzte sie ihre guten Beziehungen zur amerikanischen Botschaft, um Nachrichten aus dem Ausland abseits der NS-Propaganda zusammenzustellen.

"Sie knüpft Kontakte zu oppositionell oder gegenüber dem NS-Regime kritisch eingestellten Frauen und Männern, gewinnt einige für eine aktive Widerstandstätigkeit und unterstützt die illegale Arbeit ihres Mannes", heißt es in ihrer Biografie in der Gedenkstätte des Deutschen Widerstands in Berlin.

Am 7. September 1942 wird sie verhaftet und am 19. Dezember zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei Tage später hebt Hitler das Urteil auf. Der zweite Prozess endet mit der Todesstrafe. Mildred Harnack-Fish wird am 16. Februar 1943 in Berlin-Plötzensee enthauptet.

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