Halle l In einer geschlossenen Abteilung der ehemaligen Poliklinik Halle sind von 1961 bis 1982 Frauen eingesperrt, erniedrigt und misshandelt worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der medizinischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg, die am Donnerstag vorgestellt wurde.

Die Vorgänge in der sogenannten Tripperburg in Halle, einer geschlossenen Abteilung für Geschlechtskrankheiten, wurden erstmals wissenschaftlich untersucht. Die überwiegende Zahl der eingewiesenen Frauen hätten aber keine Geschlechtskrankheiten gehabt, sagte der Leiter der Studie, Professor Florian Steger. "Die Einrichtung hatte das Ziel, die Frauen zu disziplinieren, nicht zu therapieren", erklärte der Wissenschaftler. So habe in der Hausordnung der Station gestanden, dass die Frauen zu sozialistischen Persönlichkeiten erzogen werden sollten.

Jeden Morgen nackt

Steger befragte für seine Studie 20 ehemalige Insassinnen. Viele der Frauen seien bis heute traumatisiert. Sie berichteten von gefängnisähnlichen Strukturen. So hätten die Frauen Anstaltskleidung tragen und ihre Habseligkeiten abgeben müssen. Zudem habe es ein System mit Belohnungs- und Strafmechanismen gegeben. Jeden Morgen hätten sich die Frauen nackt ausziehen und Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen. Alle mussten vor ihrer Entlassung eine Schweigeerklärung unterschreiben.

"Hier ist geltendes Recht mit Füßen getreten worden", sagte die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Birgit Neumann-Becker. Die Aufklärung müsse weiter vorangetrieben werden. Laut Studie habe es ähnliche Einrichtungen in Berlin, Dresden, Erfurt, Leipzig und anderen Städten gegeben.