Magdeburg l Die Grünen im Landtag fordern, das Schnabelkürzen bei Hühnern, Enten und Puten zu verbieten. "Das ist eklig. Diese Tierquälerei muss ein Ende haben", sagte Fraktionsvorsitzende Claudia Dalbert am Donnerstag nach einer Fraktionsklausur. Die Grünen fordern das Landwirtschaftsministerium auf, eine entsprechende Verordnung zu erlassen. Nächste Woche soll das Thema in den Landtag.

Niedersachsen strebt ein Verbot 2016 an. In Österreich wird auf diese Methode seit 2005 verzichtet. Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Belange wollen die Grünen den Betrieben in Sachsen-Anhalt bis 2017 Zeit für eine Umstellung der Tierhaltung lassen.

In Sachsen-Anhalt werden in 563 Betrieben mehr als 1,7 Millionen Legehennen gehalten. Im Nachbarland Niedersachsen sind es 11 Millionen. Damit die Tiere sich beim Hacken nicht gegenseitig verletzen, werden ihnen vor allem in großen Betrieben die Schnäbel gekürzt.

Weniger Tiere im Maststall, weniger Verletzungen

"Dabei wird den Küken mit einer Art Schleifmaschine die Schnabelspitze abgestumpft", erklärt Christian Apprecht, Sprecher des Landesbauernverbandes. "Die Bauern machen das nicht aus Langeweile. Sie wollen so Verletzungen vermeiden und Medikamente sparen."

Die Grünen meinen, dass die Verletzungsgefahr auch anders gesenkt werden kann: Indem weniger Tiere pro Stall gehalten oder die Ställe und Auslaufflächen größer werden. "Aber das wollen wir mit den Betrieben gemeinsam beraten. Die Umstellung soll schrittweise, aber dann ohne Ausnahme erfolgen - gleich, ob Betriebe Eier für den Supermarkt oder zur Nudelherstellung liefern", sagte Dalbert.

Die Industrie will ab 2017 Eier in den Supermärkten kennzeichnen: Schnabel ab oder Schnabel dran. Doch diese freiwillige Lösung biete zu viele Schlupflöcher, meint die Fraktionschefin.

Verbesserte Tierhaltung führt zu höheren Eierpreisen

Dem Bauernverband sind freiwillige Lösungen am liebsten. "Doch wenn das Bemühen Einzelner zu wirtschaftlichen Nachteilen führt, können rechtlich verbindliche Regeln für alle auch in Ordnung sein", sagte Verbandssprecher Apprecht. Der Verband will sich die Initiative der Grünen genau anschauen.

Untersuchungen in Österreich zeigen, dass die Aggressivität nicht allein durch den Tierbesatz, sondern auch durch Futter und Licht gesteuert wird. So kann dort in großen Ställen das Licht gedimmt werden. Zudem bekommen die Tiere Futter mit mehr Ballaststoffen, so dass die Hühner länger mit Fressen beschäftigt sind. Das alles ist mit Mehrkosten verbunden. Im Nachbarland stiegen die Preise um bis zu vier Cent je Ei. "Darauf müssen wir uns auch hier einstellen", sagte Dalbert. "Aber gesunde Tiere nutzen auch unserer Gesundheit."

Das Anliegen sei grundsätzlich berechtigt, heißt es aus dem Umweltministerium. Um eine praxisgerechte Lösung zu finden, müssten aber auch Wissenschaft und Wirtschaft einbezogen werden. Deswegen sollte der Zeitpunkt eines Ausstiegs aus dem Schnabelkürzen diskutiert werden, teilte ein Sprecher mit.