Magdeburg l Genau 50 angehende Gymnasiallehrer haben zum Schuljahresbeginn einen Referendariatsplatz erhalten. Beworben hatten sich 708. Ein Teil der Abgewiesenen startet seine Schullaufbahn nun in anderen Bundesländern. Andere, die ihre Heimat nicht verlassen wollen oder können, stehen auf der Warteliste und hoffen auf einen späteren Einstellungszeitpunkt.

"Um ein Vielfaches" übersteige die Zahl der Bewerber im Lehramt Gymnasium die Zahl der Ausbildungsplätze, bestätigt das Kultusministerium. Zum kommenden Jahr erhöht das Land die Zahl der Stellen. Derzeit sind es für alle Schulformen zusammen 520 Plätze, nach einem Kabinettsbeschluss werden es 620. Mehr sei nicht möglich, sagt Ministeriumssprecher Martin Hanusch. "Wir müssen den aktuellen Bedarf, aber auch die Perspektive im Blick haben, denn ab 2022 werden die Schülerzahlen deutlich sinken."

Abgelehnten Referendaranwärtern bleibt nur Aushilfsjob

Aus Sicht der Lehrergewerkschaft GEW ist die Aufstockung bei weitem nicht ausreichend. Um die ausscheidenden Lehrer zu ersetzen, müsse das Land 1000 bis 1200 Referendare ausbilden, fordert Landesvorsitzender Thomas Lippmann.

Lehrer dürfen erst dann in öffentlichen Schulen arbeiten, wenn sie nach dem Studium auch das 16-monatige Referendariat abgeschlossen haben. Abgelehnten Bewerbern bleibt nur, sich mit Hilfsjobs über Wasser zu halten. Etwa der 26-jährige Matthias Stober aus Halberstadt.

Angehende Lehrer wandern in andere Länder ab

Bereits drei Absagen hat Stober vom Landesschulamt, trotz eines Studienabschlusses mit der Note 2,0. Er bietet seither Stadtführungen an und unterrichtet stundenweise an zwei Privatschulen. "Ich hänge an meiner Heimatstadt und würde hier gern eine Familie gründen, aber wenn ich zum nächsten Anstellungstermin keine Stelle bekomme, fange ich in Niedersachsen an", sagt Stober.

Für ihn besonders bitter: Er weiß, dass ausgebildete Ethik-Lehrer wie er in vielen Schulen gebraucht werden. Wie ihm geht es vielen. Eine 36-jährige Magdeburgerin (Examensnote 1,9) wartet seit zwei Jahren und unterrichtet derweil in Spanien. Andere arbeiten als Horterzieher oder Kellnerin. Das könne sich Sachsen-Anhalt nicht leisten, sagt GEW-Chef Lippmann. "Durch die langen Wartezeiten verlieren wir zu viele junge Menschen an andere Länder oder andere Berufe."

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