Aschersleben (dpa) | Angesichts sinkender Bewerberzahlen können auch Schüler mit schlechten Zeugnissen künftig Karriere bei der Polizei in Sachsen-Anhalt machen. Schulnoten spielten bei der Vorauswahl der Bewerber keine Rolle mehr, sagte Kirsten Försterling, Dezernatsleiterin an der Fachhochschule Polizei in Aschersleben (Salzlandkreis).

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Bewerbungen deutlich zurückgegangenen: Gab es zum September 2009 noch mehr als 2000 Bewerber für die Laufbahngruppe 2 (ehemals gehobener Dienst), waren es zuletzt mit 965 nicht mal halb so viele, sagte Försterling.

Die Zensuren würden wenig über die tatsächliche Eignung aussagen, etwa wie sportlich ein Bewerber sei oder wie sich gerade ältere Berufsinteressenten seit ihrem Schulabschluss entwickelt hätten. "Wir überzeugen uns lieber in natura von den Fähigkeiten."

Im Bewerbungsverfahren fallen viele Polizei-Anwärter aus

Die Polizei hat zwar weiterhin eine hohe Zahl an Bewerbern – im Auswahlverfahren dezimieren sich die Zahlen aber stark. So seien von den zuletzt 832 eingeladenen Bewerbern rund 250 gar nicht erst erschienen oder zogen ihre Bewerbung zurück. 200 fielen beim Diktat, Intelligenzstruktur- oder im Sporttest durch, zählte Försterling auf.

Nach der ärztlichen Untersuchung und weiteren Absagen von Bewerberseite wurden noch 190 zum Gespräch eingeladen. Knapp 150 kamen. Am Ende seien 60 Bewerber genommen worden, nur 15 habe man nicht berücksichtigen können. Der Rest habe es sich noch anders überlegt. "Für die Laufbahngruppe 1 sieht das ähnlich aus", sagte sie.

"Die Notenanforderungen wurden gemacht als wir noch mit mehreren Tausend Bewerbungen zu tun hatten", erklärte Försterling. Bisher durften Bewerber für die Laufbahngruppe 1 (ehemals mittlerer Dienst) in Mathe und Deutsch sowie in Sport maximal eine Vier haben. Für die Laufbahngruppe 2 lag die Mindestanforderung in den drei Fächern bei Drei, ein Vierer aber war gestattet.

Auswahlverfahren von Polizeianwärtern bleibt anspruchsvoll

Die Vorauswahl anhand der Noten sei ein Luxus gewesen, den man sich angesichts der immensen Bewerbungsflut gegönnt habe. Aber auch wenn das jetzt vorbei sei, gehöre das Jahrgangszeugnis noch immer in die Bewerbungsmappe, "als Nachweis", sagte Försterling. In der Laufbahngruppe 1 ist ein Realschulabschluss Voraussetzung für die Einstellung, in der Laufbahngruppe 2 Abitur oder Fachhochschulreife.

Der stellvertretende Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Jürgen Naatz, sieht den Wegfall der Notenauswahl mit gemischten Gefühlen: "Es macht den Eindruck, dass die Qualität der Bewerber zurückgegangen ist", sagte er. Wenngleich die Demografie sicher auch von Bedeutung sei. Aus Sicht der Gewerkschaft spreche aber nichts gegen die neue Regelung, so lange es genügend geeignete Bewerber gebe. Die Anforderungen des im weiteren "sehr, sehr anspruchsvollen" Verfahrens dürften aber nicht heruntergeschraubt werden: "Wir legen darauf wert, dass die Testbedingungen nicht verändert werden."

An der Fachhochschule Polizei gibt es zwei Einstellungstermine, den 1. März und den 1. September. Aktuell werden Bewerbungen für die Einstellung zum September kommenden Jahres angenommen. Eingegangen seien bisher "nicht wesentlich mehr, aber auch nicht weniger als sonst".