Magdeburg l Nicht allein das Mittelalter tut sich im Magdeburger Untergrund auf, wo derzeit am Breiten Weg 261 bis 264 Archäologen den Boden in der Grube untersuchen, wo bis vor wenigen Wochen ein Plattenbau aus den 1960er Jahren stand. Darunter Spuren der Eiszeit. Hier könnten sich angesichts der günstigen Lage Magdeburgs in Flussnähe und doch hoch genug über den Hochwasserlinien eisenzeitliche Siedlungsspuren befinden, vermuten die Archäologen. Über den Mittelalterschichten aber auch die Reste der Festungsanlagen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg angelegt wurden, und Überbleibsel der Bebauung, die hier 1945 zerstört wurde. Darunter auch die Scherben an einer Stelle, an der sich wohl einmal ein Lampenlager befunden hat. Deutliche Verformungen zeigen, welche Hitze während der Zerstörung der Magdeburger Innenstadt hier geherrscht haben muss. Grabungsleiter Gösta Ditmar-Trauth sagt: "Auch diese Funde werden gesichert und könnten beispielsweise im kommenden Jahr im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt werden." Dann jährt sich die Zerstörung Magdeburgs zum 70. Mal.

Abgesehen haben es die Grabungsarbeiter aber vor allem auf etwas anderes: Das Pflaster besteht nicht allein aus Steinen. Die Grabungsarbeiter André Benke und Matthias Weißbrenner sichern derzeit Funde in den Spalten und Ritzen. André Benke zeigt einige der winzigen Reste von Keramiken, auf die es die Archäologen besonders abgesehen haben: Die Experten hoffen, anhand ihres Stils den Entstehungszeitraum der alten Straße näher bestimmen zu können. Die Scherben, die der Laie kaum von kleinen Steinen unterscheiden kann, müssen zur Bestimmung noch gereinigt werden. Alle Funde werden in Magazine des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie gebracht, so dass sie für künftige Forschungen ebenso wie für Ausstellungen zur Verfügung stehen.

Matthias Weißbrenner zeigt auf einen anderen Fund: "Das ist der Knochen aus dem hinteren Bereich der Wirbelsäule eines Tieres", sagt er. Von der Größe her könnte es sich um eine Ziege gehandelt haben. Während die Keramiken zu kleinen und kleinsten Teilchen zersprungen sind, liegen die Skelettreste in größeren Teilen vor.

Auf den Spuren des alten Breiten Wegs

Magdeburg (ri) l Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg in der Magdeburger Altstadt. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier einige Impressionen.

  • André Benke (l.) und Matthias Weißbrenner sichern die Funstücke, die sie aus dem mittelalterlichen Straßenpflaster herausarbeiten. Foto: Martin Rieß

    André Benke (l.) und Matthias Weißbrenner sichern die Funstücke, die sie aus dem mittelalterli...

  • Dieser Doppelkeller direkt gegenüber dem Bürgerbüro ist inzwischen wieder verschlossen.

    Dieser Doppelkeller direkt gegenüber dem Bürgerbüro ist inzwischen wieder verschlossen.
    Quelle: privat

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto:...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Darunter geologische Spuren wie dieser Eiszeitkeil. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Eiszeitliche Spuren unter den menschlichen Hinterlassenschaften. Foto: Martin Rieß

    Eiszeitliche Spuren unter den menschlichen Hinterlassenschaften. Foto: Martin Rieß

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth und Frank Besener an einem Rest der Festungsanlagen.  Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth und Frank Besener an einem Rest der Festungsanlagen. F...

  • Blick auf den Boden einer 0,25-Liter-Flasche. Gut an der TGL-Nummer zu erkennen, dass sie zu DDR-Zeiten produziert wurde. Foto: Martin Rieß

    Blick auf den Boden einer 0,25-Liter-Flasche. Gut an der TGL-Nummer zu erkennen, dass sie zu D...

  • Die Keramik, die zu dieser Scherbe gehörte, könnte schon in der Eisenzeit entstanden sein. An ihren Fundort im Straßenpflaster muss sie aber sehr viel später gelangt sein. Foto: Martin Rieß

    Die Keramik, die zu dieser Scherbe gehörte, könnte schon in der Eisenzeit entstanden sein. An ...

  • Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth zeigen den Rest eines Gewölbes, das von einer Festungsmauer (links im Blid) durchschnitten ist. Die Festungsmauer reicht bis in eine Tiefe von acht bis neun Metern - die Archäologen bewegen sich in einer Tiefe von etwas mehr als vier Metern. Foto: Martin Rieß

    Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth zeigen den Rest eines Gewölbes, ...

  • Eine der wichtigsten Aufgaben für Archäologen ist es, die genaue Lage der Funde zu dokumentieren. Hier im Gespräch Frank Besener (l.) und Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth. Foto: Martin Rieß

    Eine der wichtigsten Aufgaben für Archäologen ist es, die genaue Lage der Funde zu dokumentier...

  • Kleinste Keramikreste aus dem mittelalterlichen Straßenbelag sollen Aufschluss darüber geben, wie alt die Pflasterung ist. Foto: Martin Rieß

    Kleinste Keramikreste aus dem mittelalterlichen Straßenbelag sollen Aufschluss darüber geben, ...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier der Rest der nach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten Festungsanlagen. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto: Martin Rieß

    Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth (l.) und Frank Besener dokumentieren die Grabung. Foto:...

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Hier der Skelettrest eines Haustiers - wahrscheinlich einer Ziege. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Grobkörnige Strukturen beginden sich in den Sedimenten, in denen beispielsweise mit den Resten von Schalentieren zu rechnen ist und wo der Mensch keine Spuren hinterlassen hat.  Foto: Martin Rieß

    Grobkörnige Strukturen beginden sich in den Sedimenten, in denen beispielsweise mit den Resten...

  • Spuren des Zweiten Weltkriegs: Von den beiden Lampenschalen wurde die linke durch die Hitze beim Brand nach der Bombardierung verformt. Foto: Martin Rieß

    Spuren des Zweiten Weltkriegs: Von den beiden Lampenschalen wurde die linke durch die Hitze be...

  • Mittelalterliche Spuren treffen auf jüngere Funde.  Foto: Martin Rieß

    Mittelalterliche Spuren treffen auf jüngere Funde. Foto: Martin Rieß

  • Unter den Siedlungsspuren geologische Strukturen, die auf eine Eiszeit zurückzuführen sind. Foto: Martin Rieß

    Unter den Siedlungsspuren geologische Strukturen, die auf eine Eiszeit zurückzuführen sind. Fo...

  • Ein jüngerer Fund: Eine Flasche aus DDR-Zeiten. Foto: Martin Rieß

    Ein jüngerer Fund: Eine Flasche aus DDR-Zeiten. Foto: Martin Rieß

  • Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter Weg 261 bis 264 stand, haben sie Spuren der Hauptstraße gefunden, die wohl bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen. Foto: Martin Rieß

    Archäologen untersuchen derzeit den Untergrund am Breiten Weg. Dort wo einst der Block Breiter...

  • Scherben, die wohl aus einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lampenlager stammen. Foto: Martin Rieß

    Scherben, die wohl aus einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lampenlager stammen. Foto: Martin...