Magdeburg l Sollte der Entwurf so umgesetzt werden, dann wird Magdeburg im kommenden Jahr nur noch neun bis zehn Schulbezirke haben. Diese Idee ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer echten Revolution in der Magdeburger Schullandschaft. Denn in zwei bis drei Jahren sollen die Schulbezirke möglicherweise ganz wegfallen. Dann bestünde im gesamten Stadtgebiet Wahlfreiheit (Volksstimme berichtete).

"Bis zum Dezember wollen wir eine Beschlussvorlage in den Stadtrat bringen", sagte Beigeordneter Rüdiger Koch (SPD) im Bildungsausschuss am Dienstagabend. Koch war im Mai dieses Jahres vom Stadtrat beauftragt worden, einen entsprechenden Entwurf zu erarbeiten. In einem Antrag hieß es, dass eine Ausdehnung des Stadtfelder Modellprojektes einen vernünftigen Kompromiss zwischen der Erweiterung von Wahlmöglichkeiten für Kinder und Eltern einerseits und dem Bemühen um möglichst kurze Schulwege im Grundschulbereich andererseits darstelle. Die Öffnung der Schulbezirke geht auf eine Initiative der Stadtratsfraktionen von Grünen, CDU, FDP und Future zurück. Linke und SPD galten als Gegner. Sowohl Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) als auch Koch räumen inzwischen ein, dass sich das Stadtfelder Modell bewährt habe und gelten nun auch als Befürworter der Idee.

Es seien vor allem die guten Erfahrungswerte aus Stadtfeld gewesen, die zu einem Umdenken in der Rathausspitze geführt haben. Eltern von Einschülern, die im Testbereich Stadtfeld (siehe Punkt 13 in der Grafik) wohnen, können frei wählen, in welchen der bislang fünf Grundschulstandorte ihr Kind gehen soll. Ergebnis aus dem ersten Jahr: 168 von 291 Kindern (58 Prozent) wollen die Schule ihres alten Schulbezirks besuchen. 90 Kinder (30 Prozent) wurden in einer der anderen Schulen des Modellgebietes angemeldet.

In einem ersten Entwurf vom Juli war noch von dreizehn möglichen Schulbezirken die Rede. Hier soll noch einmal im Bereich Olvenstedt nachgebessert werden, sodass am Ende möglicherweise zehn Bezirke übrig bleiben. Die Verwaltung will nun einen finalen Entwurf erarbeiten, diesen nochmals in die Ausschüsse geben und bis spätestens Dezember zur Abstimmung in den Stadtrat bringen. "Die Eltern künftiger Grundschulkinder brauchen Klarheit", sagte Koch im Ausschuss. Außerdem kündigte er an, dass von allen Grundschulplätzen auch in dem neuen Modell ungefähr 15 Prozent für Härtefälle vorgehalten werden sollen. Das kann dann beispielsweise Kinder betreffen, die nicht in die Schule um die Ecke gehen können, weil diese bereits überfüllt ist.

Alle im Bildungsausschuss vertretenen Parteien signalisierten grundsätzliche Zustimmung, auch wenn bei den Feinheiten sicherlich noch Verhandlungsbedarf besteht. Während etwa Stadtrat Jürgen Canehl (B90/Grüne) die Bezirke gern größer ziehen würde, signalisierte Stadtrat Oliver Müller (Linke), dass seine Fraktion mit dem jetzigen Entwurf zufrieden sei.

Diskussion um neuen IGS-Standort entfacht

Neben der Neuordnung der Grundschulbezirke spielte im Bildungsausschuss auch der Umgang mit den steigenden Schülerzahlen in den weiterführenden Schulen eine Rolle. Grund war ein Volksstimme-Bericht vom Dienstag über die Entwicklung der Schülerzahlen an den Integrierten Gesamtschulen Willy Brandt und Regine Hildebrandt. So hatte etwa die IGS Willy Brandt, die sich mit der Grundschule "Am Westring" ein Gelände teilt, in diesem Schuljahr 162 Anmeldungen für die fünften Klassen. 104 Kinder wurden per Losverfahren ausgesucht. Die restlichen Jungen und Mädchen mussten an die IGS Regine Hildebrandt und andere Schulen verteilt werden. Doch auch die IGS Regine Hildebrandt platzt aus allen Nähten. Laut Verwaltung sollten dort in diesem Jahr 112 Kinder eingeschult werden, tatsächlich sitzen aber 176 Kinder in den Klassenräumen.

"Wir beobachten das Problem. Sollte in zwei Jahren der Andrang auf die IGS immer noch so groß sein, müssen wir über eine dritte IGS sprechen", sagte Koch auf Nachfrage der Volksstimme. Laut Verwaltung steigen im Planungszeitraum 2014/15 bis 2018/19 die Schülerzahlen in Magdeburg rasant an. Im Grundschulbereich um 1500 Jungen und Mädchen.

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