Magdeburg l Die Interpretation einer E-Mail dürfte entscheidend sein bei der Frage, ob Nils-Holger Böttger als Betriebsratschef der Enercon-Tochter WEA Service Ost gekündigt werden darf. Vor dem Arbeitsgericht in Magdeburg scheiterte am Freitag eine gütliche Einigung. Nun steht ein langer Gerichtsprozess bevor.

In der E-Mail, die Böttger am 28. Mai an die Beschäftigten des Magdeburger Unternehmens schickte, soll er sich diffamierend und beleidigend über einen Personaldienstleister geäußert haben. So zumindest sah es der Anwalt der WEA Service Ost, Alexander Schröder. Böttger habe Formulierungen wie "böser Verleiher" und "mittelloser Mann" benutzt. Der Personaldienstleister Dettmers, über den die Enercon-Tochter ihre Leiharbeiter bezog, habe daraufhin die Zusammenarbeit gekündigt. Durch Böttgers Verhalten sei der WEA ein wirtschaftlicher Schaden entstanden.

Die Anwälte von Nils-Holger Böttger interpretierten das geschriebene Wort Böttgers freilich anders. Die Mail sei als satirischer Text zu erkennen gewesen, erklärten die Anwälte Mechthild Garweg und Daniel Weidmann. "Wir verniedlichen nichts, Sie bauschen auf", sagte Weidmann zum Anwalt des Unternehmens. Böttger habe auf die Missstände aufmerksam gemacht, aber niemanden beleidigt. Vom Gericht müsse zudem geklärt werden, wie die interne Mail Böttgers den Weg zum Personaldienstleister Dettmers gefunden habe.

Böttger hatte sich als Betriebsratsvorsitzender für Leiharbeiter eingesetzt, die für eine Weiterbildung an einem Samstag nicht bezahlt werden sollten. "Das ist seine Aufgabe", hielt Weidmann fest. Beide Parteien haben nun vier Wochen Zeit weitere Stellungnahmen abzugeben. Der nächste Verhandlungstermin könnte noch vor Weihnachten stattfinden.