Magdeburg (dpa/epd) l Angesichts steigender Asylbewerberzahlen will das Land Sachsen-Anhalt die Kapazitäten in der Zentralen Anlaufstelle (ZASt) in Halberstadt um ein Viertel erweitern. Bislang stünden in zwei Häusern 158 Zimmer mit zusammen 800 Betten zur Verfügung, sagte die Sprecherin des Innenministeriums, Anke Reppin. Derzeit werde ein bislang nicht zum Wohnen genutztes Gebäude hergerichtet, um 200 weitere Plätze zu schaffen. Das Land investiere hierfür rund 1,5 Millionen Euro.

Das Ministerium erwartet dieses Jahr mindestens 6000 Antragsteller, im vergangenen Jahr waren es 3400. Von Januar bis August waren 3375 Erstantragsteller erfasst worden. Die Asylbewerber kommen zunächst immer in die Zentrale Anlaufstelle in Halberstadt und werden dann auf die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt. Dort stehen laut Innenministerium derzeit 7700 Plätze zur Verfügung, davon sind 7350 Plätze belegt.

Eine Umfrage hatte vergangene Woche ergeben, dass viele Kommunen zusätzliche Kapazitäten schaffen wollen. Dazu sollen sowohl Wohnungen angemietet als auch neue Gemeinschaftsunterkünfte errichtet werden. "Bisher ist es den Landkreisen und kreisfreien Städten gelungen, der Entwicklung im Bereich Asyl und Zuwanderung gerecht zu werden", sagte Reppin. Das Ministerium gehe davon aus, dass die Kommunen auch künftig ihrer Aufnahmeverpflichtung nachkämen. Die Ausgaben würden über das Finanzausgleichsgesetz gedeckt. Im Haushaltsjahr 2014 seien dafür bereits zwei Abschlagszahlungen geleistet worden.

Erst am Freitag hatte der Bundesrat die Asylhürden erhöht. Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina werden nun als sogenannte sichere Herkunftsländer eingestuft. Asylbewerber von dort können nun schneller abgeschoben werden. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hatte die Änderungen im Asylrecht begrüßt. Der flüchtlingspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Sören Herbst, kritisierte dagegen die Entscheidung, die auch von Baden-Württemberg mitgetragen worden war, wo die Grünen regieren.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) strebt eine gerechtere Verteilung von Asylbewerbern in Europa an. "Es kann nicht sein, dass vier, fünf Länder die größte Anzahl der Flüchtlinge aufnehmen", sagte der Minister dem "Spiegel". "Das entspricht nicht der erforderlichen gesamteuropäischen Solidarität, die wir hier dringend benötigen", unterstrich de Maizière. Aus den Bundesländern kommt unterdessen die Forderung nach einem nationalen Flüchtlingsgipfel.

Angesichts steigender Asylbewerberzahlen betonte de Maizière, dass die Aufnahmebereitschaft der Deutschen Grenzen habe. "Wir können nicht alle Armutsprobleme der Welt in unserem Land lösen", betonte der Minister. Priorität müsse grundsätzlich die Verbesserung der Verhältnisse vor Ort haben, um den Betroffenen eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben.

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr bundesweit mit rund 200.000 neuen Asylbewerbern. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben fast 100.000 Menschen erstmals Asyl in Deutschland beantragt, etwa 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

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