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Heiko Orosz zeigt Interessenten gern seine Sammlung. Sogar eine Schulklasse hatte er schon zu Besuch. Der Eintritt ins "Museum" ist kostenlos, aber nur nach Voranmeldung möglich.

Heiko Orosz aus Magdeburg ist zu erreichen unter:
Tel. 0176-84200496 oder Mail: stargate70@gmx.de

Magdeburg l "Alles fing 1994 an mit einer alten Flasche Kirsch-Whisky", erinnert sich Heiko Orosz am Esstisch im Wohnzimmer seiner Plattenbauwohnung. Picobello sieht das dort aus. Offene Küche, Schrankwand, Katzenbaum. Besucher müssen die Schuhe ausziehen. Und um mögliche Unterstellungen gleich vorweg auszuräumen: Es riecht bei Familie Orosz kein bisschen unangenehm.

Dabei könnte man anderes vermuten. Schließlich unterhält der 43-Jährige das vermutlich abgefahrenste DDR-Museum im deutschen Osten: "Ich sammle Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Damit habe ich bei mir zu Hause einen Museumsraum eingerichtet", erzählt er. Alles streng hygienisch. "Sonst würde meine Frau Ines das auch nicht erlauben", sagt er. Deren Mutter, bis vor wenigen Jahren in Halle wohnhaft, ist an der Einrichtung des Museums bei Familie Orosz nicht ganz unschuldig. "Wir haben sie aus Altersgründen zu uns nach Magdeburg geholt. Nebenan war aber nur eine Drei-Zimmer-Wohnung frei. Weil unsere Genossenschaft aber Wohnungsdurchbrüche erlaubt, konnte ich einfach einen Raum abzweigen und unserer Drei-Raum-Wohnung anschließen - für mein Museum", erzählt Heiko Orosz. Denn im Keller hatten sich nach dem Kirsch-Whisky-Start 1994 inzwischen viele gut gefüllte Kisten mit DDR-Waren angesammelt.

Konservenbüchsen mit Makrelen aus Saßnitz, Semper-Zigaretten, Mondos, IMI und Spee, Senfkörner, Götterspeise, Gläser mit Apfelmus, Pfirsichen und Kirschen und auch Gläser mit Möhren-Erbsen-Mischgemüse.

Erbsen im Glas, fast 30 Jahre alt? "Und die sehen noch richtig gut aus. Kommen Sie mit!" Orosz schlurft vorneweg übern Flur, kurzer Blick zu Mauzi, die im Schlafzimmer auf dem Ehebett schläft, dann öffnet er die Tür zum "Museum".

Regale mit Hinterlicht-Effekten, Staatswappen, Papierfähnchen, eine Glasvitrine. Vorn im Holzregal stehen grüne Brechbohnen, die, um es einmal so zu sagen, rein äußerlich ihrem Namen alle Ehre machen. Vorsichtig holt der Sammler aus dem hinteren Regalbereich das Glas mit dem Möhren-Erbsen-Mischgemüse hervor. Er hält es hoch in Richtung DDR-Deckenlampe. "Schauen Sie! Die Erbsen haben etwas an Farbe verloren, aber ansonsten sieht das Gemüse doch noch ganz passabel aus."

Hauptberuflich arbeitet Heiko Orosz beim Werkschutz eines großen Glasbaubetriebes. Doch nach Feierabend geht er auf Suche nach sozialistischen Köstlichkeiten. Dort schenkt ihm jemand ein Täfelchen Schokolade, hier findet sich auf dem Flohmarkt noch ein original Wikana-Trocken-Keks-Brot. Über 1000 Euro hat sich der Magdeburger schon seine Leidenschaft kosten lassen. "Mein teuerster Ankauf!" Vorsichtig hebt der Sammler das 50-Gramm-Päckchen Bohnenkaffee Rondo aus der Glasvitrine. "34 Euro!" Da rechnen wir schnell mal im Kopf: Das wären 64 Westmark gewesen, sagen wir mal acht - 512 Mark der DDR. Ein Monatslohn damals. Für DDR-Kaffee ...

Besonders stolz ist Heiko Orosz aber auf seine Spirituosen-Sammlung. 104 Flaschen. "Basta-Rotwein", "Kaffee edel Likör", Boonekamp von Abtshof. Sogar eine volle Flasche Magdeburger Diamant-Bier und ein Hadmersleber Gambrinus hat er noch. Ob der Schnaps wohl noch trinkbar wäre? "Bestimmt. Ich habe auch ein paar Sorten doppelt und dreifach. Aber eine Flasche aufzumachen, habe ich bisher nicht übers Herz gebracht."

Wer nun Heiko Orosz gern einmal zu Hause besuchen möchte, um in Erinnerung zu schwelgen, möge bitte mit ihm in Kontakt treten (Info-Kasten). "Ich hatte schon viele Freunde, Bekannte und Kollegen zu Besuch. Sogar eine Schulklasse hat sich die Sammlung angeguckt", erzählt er. Und vielleicht hat ja jemand noch etwas von der dünnen Erdbeermarmelade von früher als Mitbringsel? Oder eine Jagdwurst? Heiko Orosz: "Alles, nur keinen Käse. Da macht meine Frau nicht mit."

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