Helmut Kohl hat es getan, Jogi Löw und Thomas Müller, Christoph Maria Herbst, Stefan Raab, Günther Jauch - und Thomas Gottschalk sowieso. Sie alle schwenkten das Weihrauchfass, trugen Kerzen oder das Kreuz und hielten dem Pfarrer das Messbuch hin. Überdurchschnittlich viele berühmte Männer in Deutschland waren in jungen Jahren Messdiener. Den ehemaligen ZDF-Intendanten Markus Schächter hat dieses Phänomen so umgetrieben, dass er jetzt ein Buch darüber geschrieben hat.

Eine "programmpsychologische Verwunderung" habe ihn fragen lassen, wie das zusammengeht - "vom Hochamt am Hauptaltar zum TV-Event am Hauptabend". Gottschalk bekennt, er habe "alles rauf und runter ministriert" - nicht nur in der Kirche. "Meine Mutter musste nur fünf Akkorde am Klavier spielen, dann begann die Prozession", so Gottschalk. "Ich bin ins Wohnzimmer eingezogen und habe den Segen erteilt und auf dem Sessel meine Predigt gehalten."

Die Ministranten-Karriere von Hape Kerkeling endete abrupt. Als er einen Lachanfall bekam, weil er vergessen hatte, die Glocken zu läuten, legte der Kaplan ihm nahe, die fromme Messdiener-Schar zu verlassen.

Die einzige Frau, die zu Wort kommt, ist Anne Will. "Vielleicht suchten sie alle schon früh den großen Auftritt", mutmaßt die Moderatorin. Vielleicht verstärkt auch die Theatralik in der Kirche den Drang auf die Showbühne. Es gibt schätzungsweise rund 500.000 Ministranten in Deutschland, doch Gottschalk glaubt: "Inzwischen gibt es mehr TV-Moderatoren als Messdiener." dpa/vs