Berlin l Vor Beginn der Versteigerung in einem Berliner Hotelsaal war Auktionator Michael Plettner noch skeptisch, was den ehemaligen Busbahnhof im Magdeburger Stadtzentrum betrifft: "Das Interesse daran war im Vorfeld unterdurchschnittlich", sagte er. Kein Wunder: Laut Umweltgutachten ist das Grundwasser dort seit der Vorkriegsnutzung als Petroleumlager kontaminiert, und der Krieg hat unzureichend verfüllte Hohlräume hinterlassen. Die Polizei rechnet mit Bombenfunden. Seit zwei Jahren waren alle Verkaufsversuche der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) gescheitert.

Seit gestern sind die beiden Randgrundstücke verkauft. Das Mittelstück gehört der Stadt Magdeburg. Für 350000 Euro bekam ein Mann aus Berlin den Zuschlag für das 1433 Quadratmeter große Grundstück an der Bahnhofstraße. Das Mindestangebot lag bei 290000 Euro. Er habe nicht als Privatmann, sondern aus gewerblichem Interesse mitgeboten, erzählte er anschließend knapp. Zu einer möglichen Nutzung wollte der Mann keine Angaben machen. Die Frage, ob wegen der Bahnhofsnähe vielleicht ein Bordellbetrieb vorgesehen sei, wies der Käufer schroff zurück: "Seh ick so aus, oder was?"

Etwas auskunftsfreudiger zeigte sich der Käufer des anderen Randgrundstückes an der Otto-von-Guericke-Straße. Der Mann türkischer Nationalität kommt aus Bremen. "Ich habe das für mich und meine Söhne ersteigert. Was da geschehen wird, steht noch nicht fest. Vielleicht ein Hotel", erzählte er. Mit 652000 Euro lag der Kaufpreis für das 2265 Quadratmeter große Grundstück deutlich über dem Mindestangebot von 460000 Euro. Das in Magdeburg lebende indische Gastronomen-Ehepaar Kaur hatte bis zuletzt mitgeboten. "Schade. Wir hätten das Grundstück gern erworben", bedauerte die Ehefrau Najinder Kaur am Ende.

Zwei kleinere Objekte aus Sachsen-Anhalt erzielten ebenfalls überraschende Ergebnisse. So wurde die Schule von Benneckenstein - ein imposantes Fachwerkhaus in idyllischer Lage - mit 10500 Euro nur 500 Euro über dem Mindestangebot versteigert. Einziger Bieter war der Bayer Karl Prünstner. "Ich habe die Schule für eine Firma gekauft", erzählte er anschließend. Und was macht die Firma? "Sie sammelt Immobilien", so der Bayer schmunzelnd. Zu einer möglichen Nutzung der ehemaligen Schule machte er keine Angaben.

Für nur 9000 Euro Mindestangebot stand die Feldsteinkirche von Hecklingen bei Staßfurt im Katalog der Versteigerung. Ein Magdeburger Paar und eine Berliner Familie lieferten sich 20 Minuten eine Bieterschlacht. Am Ende bekam der Berliner Marco Lemcke den Zuschlag für 46000 Euro. "Ich habe sie im Auftrag meiner Familie ersteigert. Was wir damit machen, ist noch völlig unklar. Vielleicht ein Wochenend-Wohnhaus", so der glückliche Käufer. Detail am Rande: Laut Grundbuch-Eintrag ließ das zuständige katholische Pfarramt drei Nutzergruppen für die Hecklinger Kirche ausschließen: staatsfeindliche Politiker, nicht christliche Religionsgruppen und Bordellbetreiber.