Magdeburg | In Sachsen-Anhalt haben dieser Tage viele Menschen ihre Erntegaben in die Kirche gebracht. Begleitet wurden sie dabei häufig mit einem bunten Ernteumzug. Traktoren, Pferde- und Ochsengespanne wurden dafür festlich geschmückt.

In anderen Regionen ist es Tradition, dass die Kinder von Haus zu Haus gehen und die Kirchengaben für die Gemeinden einsammeln. Mit diesen wird dann anschließend der Altar in der Kirche prunkvoll geschmückt. Die Gaben werden nach dem Fest an Bedürftige in der Gemeinde, in Obdachlosenheimen oder an karitative Einrichtungen verteilt.

Eine wichtige symbolische Bedeutung zum Erntedankfest spielt dabei vor allem die Erntekrone. Sie wird häufig auf dem Dorfplatz oder in der Kirche aufgestellt. Der gebundene Kranz der Krone repräsentiert die Ewigkeit. Die aus verschiedenen Getreideähren nach oben gebundene Krone steht für die weltliche Macht. Die vielen Getreideähren an der Erntekrone erinnern an die Abhängigkeit des Menschen von der Natur. Vor allem früher, als noch der Großteil selbst angebaut hat, wäre ein Überleben ohne eine gute Ernte in der Winterzeit kaum möglich gewesen. Dabei stehen die vier Streben stellvertretend für Hoffnung, Glaube, Sorge und Dank.

Andere Länder, andere Sitten

Abhängig von den klimatischen Berdingungen eines Landes oder einer Region, verändert sich auch der Zeitpunkt der Erntefeste. Auch die Häufigkeit ist dadurch unterschiedlich. In manchen Ländern gibt es sogar mehrere Erntefeste innerhalb eines Jahres.

In China gibt es etwa das Mondfest. Gefeiert wird immer in einer Vollmondnacht. Dafür werden Mondkekse gebacken, die an alle Familienangehörigen verteilt werden. Dem Glauben nach fallen während des dreitägigen Festes Blumen vom Mond herab. Wer die herunterfallenden Blumen sieht, soll mit großem Glück belohnt werden.

In Japan gab es ein altes kaiserliches Erntedankfest. Bei einem shintoistischen Ritual wurde den Göttern, vertreten durch den Kaiser, das frisch geerntete Reis geopfert. Eine erste Erwähnung dieses Rituals verweist auf das Jahr 678. Aus dem Erntedankfest hat sich heute ein gesetzlicher Feiertag entwickelt, der übersetzt "Tag des Dankes für die Arbeit" heißt.

Thanksgiving ein Erntedankfest?

Anders als vielleicht zu erwarten, hat der amerikanische Erntedanktag "Thanksgiving Day" nur wenig mit unserem Erntefest zu tun. Thanksgiving ist ein staatlicher Feiertag und soll an das erste Erntedankfest der Pilgerväter in den USA erinnern. Es ist aber heute ein Dankfest für alles Gute und jeglichen Erfolg. Traditionell wird dazu im Kreise der Familie und mit den engsten Freunden ein Truthahn verspeist.

Etwas anders sieht es bei dem kanadischen Thanksgiving aus. Zwar ist das Fest auch wie in Amerika ein staatlicher Feiertag, allerdings wird es in den christlichen Kirchen als religiöses Fest gefeiert. Damit entspricht es stärker den europäischen Erntedankfest-Bräuchen.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts machten die Bauern auf der ganzen Welt den größten Teil der Bevölkerung aus. Daher war die Ernte jahrhundertelang für viele Menschen von größter Bedeutung. Die Feste markierten häufig den Höhepunkt des Jahres. Eine reiche Ernte bedeutete große Freude und sicherte das Überleben im kalten Winter.

 

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Die beliebtesten Bräuche in Deutschland

Magdeburg | Es gilt als eines der ältesten Feste, das verschiedene regionale Traditionen und Bräuche kennt: das Erntedankfest.

Im Christentum ist es eine traditionelle Feier nach der Ernte im Herbst, das in der Regel am Sonntag nach Michaelistag gefeiert wird. Vergleichbare Riten sind aus Nordeuropa, Israel, Griechenland und aus dem Römischen Reich bekannt. Aber auch innerhalb von Deutschland gibt es viele Traditionen rund um das Thema Ernte.

  • Eine der bekanntesten Traditionen ist der Erntedankumzug. Traktoren, Pferde- und Ochsengespanne werden dafür festlich mit Erntegaben geschmückt. Dazu spielt oft der heimische Spielmannszug und die Gemeinde zieht gemeinsam durch das Dorf zum Festplatz oder zur Kirche. In einigen Orten gehen auch Kinder und Jugendliche der Kirchengemeinde vor dem Erntedanksonntag von Haus zu Haus und sammeln die Erntegaben ein.

    Eine der bekanntesten Traditionen ist der Erntedankumzug. Traktoren, Pferde- und Ochsengespann...
    Quelle: Archivfoto: Jens-Uwe Jahns

  • Aus Getreideähren und bunten Bändern werden die großen Erntekronen gebunden. Diese besteht aus einem Kranz mit vier nach oben aufwärts zur Mitte gebundenen Getreideähren. Die vier Streben sollen Hoffnung, Glaube, Sorge und Dank symbolisieren - der Ring ist ein altes Zeichen ewiger Unendlichkeit.

    Aus Getreideähren und bunten Bändern werden die großen Erntekronen gebunden. Diese besteht aus...
    Quelle: Archivfoto: Daniela Apel

  • Dieser Brauch hat eine lange Tradition und wird noch heute jedes Jahr in vielen Orten gepflegt. In manchen Regionen gibt es sogar richtige Wettbewerbe um die schönste Erntekrone wie etwa bei dem Landeserntedankfest in Magdeburg. Sachsen-Anhalt ist übrigens eine der Hochburgen der Erntekranz-Tradition.

    Dieser Brauch hat eine lange Tradition und wird noch heute jedes Jahr in vielen Orten gepflegt...
    Quelle: Andreas Pinkert

  • Auch der Ernteteppich hat eine lange Tradition. Häufig wird das Bild aus Körnern und Früchten vor den Altar wie ein Mosaik gelegt.

    Auch der Ernteteppich hat eine lange Tradition. Häufig wird das Bild aus Körnern und Früchten ...
    Quelle: dpa

  • In Weißenfels und Umgebung wurde früher aus dem Mehl der ersten Weizenkörner ein Arbeiterkuchen hergestellt. Rund um die Stadt Jerichow gab es hingegen den Restkuchen, der aus den letzten gesammelten Getreidekörnern gebacken wurde.

    In Weißenfels und Umgebung wurde früher aus dem Mehl der ersten Weizenkörner ein Arbeiterkuche...
    Quelle: Archivfoto: Andreas Pinkert

  • Am 29. September zum Michaelistag einen Drachen aufsteigen zu lassen, geht wohl auf das Neue Testament zurück. In der Offenbarung des Johannes besiegt der Erzengel Michael den Teufel, der ihm in Gestalt eines Drachen erschienen war. Michaelskönig wird der Drachenführer, dessen Drache am höchsten steigt.

    Am 29. September zum Michaelistag einen Drachen aufsteigen zu lassen, geht wohl auf das Neue T...
    Quelle: dpa

  • Eine Besonderheit der Bergregionen in Deutschland, des Allgäus und der Alpen, ist der Almabtrieb. Kühe und Schafe werden mit Blumen und Bändern geschmückt und tragen große Glocken um den Hals. Diese sollen die bösen Geister auf dem Weg ins Dorf vertreiben. Das Vieh kommt anschließend auf eine Winterweide oder in den Stall.

    Eine Besonderheit der Bergregionen in Deutschland, des Allgäus und der Alpen, ist der Almabtri...
    Quelle: dpa

  • Jahrmarkt, Kirmes, Kerwe, Kilbe oder Kirta – das Kirchweihfest hat viele Namen. Gefeiert wird es heute fast überall mit bunten Karussells, Schieß- und Imbissbuden. Ursprünglich wurde an diesem Tag die Einweihung der Kirche gefeiert. Was einst als besinnliches Familienfest, mit vielen Wettspielen, Bauernmarkt und Festmahl begann, ist heute ein teures Spektakel.

    Jahrmarkt, Kirmes, Kerwe, Kilbe oder Kirta – das Kirchweihfest hat viele Namen. Gef...
    Quelle: dpa

  • War das Getreidefeld fast abgeerntet, wurde aus den letzten Bündeln der Halme eine Erntepuppe gebunden. Sie galt früher als Geschenk für den

    War das Getreidefeld fast abgeerntet, wurde aus den letzten Bündeln der Halme eine Erntepuppe ...
    Quelle: Ralf Franke

  • In Sachsen-Anhalt gibt es das altmärkische Vergodendeel. Es ist einesder ältesten Erntebräuche in der Region. Auf den abgemähten Feldernließen auch hier die Arbeiter stets ein Kornbüschel stehen. Erst amletzten Erntetag werden noch heute die Büschel gleichzeitigabgeschnitten.

    In Sachsen-Anhalt gibt es das altmärkische Vergodendeel. Es ist einesder ältesten Ernteb...
    Quelle: Archiv

  • Früher war es in manchen Regionen Tradition, dass die Erntehelfer riefen:

    Früher war es in manchen Regionen Tradition, dass die Erntehelfer riefen: "Mir han scho d...
    Quelle: Archiv

  • Im Mansfeld- und im Saalekreis gab es lange die Tradition des

    Im Mansfeld- und im Saalekreis gab es lange die Tradition des "Kohlabmähens". Der Gutsherr war...
    Quelle: dpa