Aspenstedt/Halberstadt l Wo weißblühende Kastanien wachsen, wird es oft im Sommer schon Herbst. Seit über zehn Jahren kämpfen die Bäume in der Region mit der Kastanienminiermotte, die sich vom Balkan aus kontinuierlich in Europa verbreitet. Die Puppen und Raupen der winzigen Falter graben Tunnel in die Blätter der Kastanien und saugen sie aus. In der Folge ist das Laub schon im Juli gelb und trocken wie im späten Herbst.

Zunehmend milde Winter begünstigen die Ausbreitung der Miniermotte. Die dunkle Jahreszeit verbringen die Tiere im herabgefallenen Laub der Kastanien, bevor sie sich im Frühjahr wieder vermehren und das junge Laub der Bäume befallen. Sind die Winter nicht kalt genug, erfrieren die Motten nicht.

Zur Bekämpfung der Motte wird an vielen Orten das Laub der Kastanie so vollständig wie möglich eingesammelt und vernichtet. So wurde es auch in den vergangenen Jahren in Aspenstedt gehalten. Ein-Euro-Jobber harkten die Blätter zusammen und verbrannten sie anschließend.

Gegenüber Kastanien hat Streuobstwiese Priorität

In diesem Jahr ist alles anders. Aspenstedts Ortsbürgermeister Rüdiger Müller (CDU) ärgert sich darüber, dass die Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) für die Laubvernichtung keine Ein-Euro-Jobs mehr zur Verfügung stellt, und dass auch das Verbrennen des Laubes nicht gestattet wurde. Wie in jedem Jahr habe er bei der Stadtverwaltung in Halberstadt angefragt, diesmal aber nur eine Ablehnung erhalten.

Dass keine Ein-Euro-Jobber mehr nach Aspenstedt geschickt werden, liege an einer anderen Prioritätensetzung bei den Ein-Euro-Jobs, teilt KoBa-Sprecherin Mandy Bantle mit. "Im vorliegenden Fall lag die Priorität für die Pflege der Streuobstwiesen "Am Warberg" höher als für die Beseitigung des von der Miniermotte befallenen Blattwerks", heißt es in der schriftlichen Auskunft. Durch den Wegfall der Ein-Euro-Jobs würden nun Arbeitskräfte fehlen, die das Kastanien- vom restlichen Laub getrennt einsammeln.

Für Angelegenheiten der Grünflächenpflege in Halberstadt und den Ortsteilen ist Roswitha Hutfilz von der Abteilung Stadtgrün der Stadtverwaltung zuständig. Das nun gemischte Laub könne man nicht mehr verbrennen und es müsse stattdessen kompostiert werden. Allerdings würde dies die Miniermotten nicht vernichten. Zwar entwickelt sich beim Kompostieren auch große Hitze, die die Insekten nicht vertragen würden, dies allerdings nur in den tiefer gelegenen Schichten. "Oben bleibt es kühl, und dort schlüpfen die Falter", sagt Roswitha Hutfilz im Volksstimme-Gespräch.

Ob Laub verbrannt werden darf, wird bei der Unteren Abfallbehörde des Landkreises entschieden. Auf den Personalmangel der Stadt Halberstadt kann die Behörde keine Rücksicht nehmen. "Das ist ein Problem, um das sich die Kommunen kümmern müssen", sagt Kreisverwaltungssprecherin Ingelore Kamann. "Die Stadt muss einen Antrag bei der Unteren Abfallbehörde stellen", so die Sprecherin.

Stadt hat keinen Ausnahmeantrag gestellt

Einen solchen Antrag hat die Stadtverwaltung allerdings nie gestellt. Das bestätigt Bernd Germer. Über seinen Schreibtisch bei der Unteren Abfallbehörde wäre dieser gegangen. Germer stellt klar, dass Laubverbrennung in der Kernstadt Halberstadt generell verboten, in den Ortsteilen mit einer Ausnahmegenehmigung aber möglich ist. "Wir haben schon viele Ausnahmen genehmigt", sagt er.

Die Antragsprüfung geschehe allerdings in Abstimmung mit der Umweltbehörde. Beim Verbrennen von Laub werde auch vieles falsch gemacht, sagt Germer. Qualmbildung und andere Umweltbelastungen seien die Folge.

In der Stadtverwaltung werde nun ein entsprechender Antrag geprüft. Bis das Kastanienlaub vollständig von den Bäumen gefallen ist, wird es ohnehin noch etwas dauern. Etwa ein Drittel des Laubes sei noch nicht von den Aspenstedter Kastanienbäumen abgefallen, sagt Ortsbürgermeister Rüdiger Müller.