Magdeburg l Die Linke unternimmt am 14. Oktober einen zweiten Anlauf, den Fraktionsvorstand zu komplettieren. Um neuen Zwist zu verhindern, wird die Landtagsfraktion am heutigen Dienstag voraussichtlich eine Satzungsänderung beschließen. Ziel ist, dass Fraktionschef Wulf Gallert künftig drei statt zwei Stellvertreter hat. Zudem sollen zwei Wahlgänge möglich werden. Wer im ersten Durchgang die absolute Mehrheit verpasst, kann in einen zweiten Wahlgang gehen - dann reicht die einfache Mehrheit. Für die Satzungsänderung ist in der 29-köpfigen Landtagsfraktion eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Die geplanten Neuerungen sind eine Reaktion auf Vorgänge im Juli. Damals waren bei der Fraktionsvorstandswahl überraschend zwei Kandidaten durchgefallen. Zum einen Eva von Angern (37, Magdeburg), die für den Posten des Fraktionsvizes angetreten war. Elf Fraktionäre stimmten für die Juristin. Aber: Es gab auch zwölf Nein-Stimmen und drei Enthaltungen.

Die zweite Schlappe musste Hendrik Lange (37, Halle) einstecken. Bei der Wahl zu einem der drei Arbeitskreisleiter bekam er 13 Ja-Stimmen, zehn Nein-Stimmen und drei Enthaltungen - zu wenig. Einen Denkzettel erhielten bei der Wiederwahl auch Wulf Gallert (19 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen) und Fraktionsvize Birke Bull (15 Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen, drei Enthaltungen).

Seit dieser denkwürdigen Wahl sind die Genossen bemüht, die zerstrittene Fraktion wieder zu einen. Zur jüngsten Klausurtagung wurde sogar ein Mediator bestellt. Acht Stunden diskutierten die Fraktionäre über die Ereignisse der vergangenen Monate. "Wir haben Tabula rasa gemacht", sagte Landeschefin Birke Bull gestern. Und: "Wenn 29 Alphatiere beieinandersitzen, kann es auch mal zu menschlichen Reibereien kommen." Nicht alle Probleme seien gelöst, aber: "Wir haben einen Anfang gemacht, Vertrauen zu entwickeln und zu einem vernünftigen Miteinander zurückzufinden." Bull sagte, die Partei empfinde die fraktionsinternen Querelen als "großes Ärgernis". "Das sind Nebenschauplätze, auf denen man sich nicht lange tummeln darf", sagte sie. "Wir müssen andere Herausforderungen bestehen, verdammich noch mal!"

Gallert sagte: "Ich bin frohen Mutes, dass es gelingt, wieder einen gemeinsamen Konsens zu finden." Die Nagelprobe erfolgt am 14. Oktober. Eva von Angern bestätigte gestern auf Volksstimme-Anfrage, sie werde erneut für den Fraktionsvize-Posten kandidieren. Sie ist die Wunschkandidatin von Gallert und Bull. Auch Harry Czeke (53) will stellvertretender Fraktionschef werden. Mit der wahrscheinlichen Erweiterung auf drei Vize-Posten wird eine Kampfkandidatur - und somit weiterer Ärger - vermieden. Der aktuelle Zustand der Fraktion dürfte sich dann an den Wahlergebnissen ablesen lassen...

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