Magdeburg l Noch ist der Streit um die Finanzen nicht beigelegt, in der kommenden Woche müssen die Hochschulen Sparpläne beschließen. Die Abiturienten haben sich bei ihrer Suche nach der für sie passenden Hochschule davon allerdings kaum schrecken lassen - das zeigen die Zahlen für das am heutigen Mittwoch beginnende Wintersemester.

Mit dem Zugang der Erstsemester kommen die drei Hochschulen im Norden von Sachsen-Anhalt auf voraussichtlich knapp 24000 Studenten - genau wie vor einem Jahr. Einige Ausnahmen gibt es allerdings: Die unter heftigem Kürzungsdruck stehenden Kulturwissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verzeichnen 40 Prozent weniger Studienanfänger. Insgesamt beginnen an der Uni 2300 Abiturienten ein Bachelor-Studium, zehn Prozent weniger als im Vorjahr. "Das liegt aber in der Schwankungsbreite der vergangenen fünf Jahre", betont Uni-Sprecherin Katharina Vorwerk. Die Gesamtzahl der Studenten wird nach Prognose der Uni in diesem Semester bei rund 14000 liegen. Alle Zahlen sind vorläufig, weil bis zum tatsächlichen Vorlesungsbeginn am 13. Oktober noch Veränderungen möglich sind. Rektor Jens Strackeljan begrüßt besonders den steigenden Anteil von Ausländern.

Aus Sachsen-Anhalt stammen 34 Prozent der Uni-Erstsemester. Geblieben ist die Abneigung der Hallenser gegenüber der Landeshauptstadt: Unter den neu immatrikulierten Landeskindern kommt lediglich ein Prozent aus Halle. Gleichzeitig ist der Zustrom aus Niedersachsen ungebrochen. 23 Prozent der Anfänger kommen von dort - deutlich mehr als aus Nachbarländern wie Brandenburg (4 Prozent), Sachsen und Thüringen (je 2 Prozent).

An der Hochschule Magdeburg-Stendal haben sich auf die 1300 Studienplätze mehr als 4800 Interessenten beworben. Am heutigen Mittwoch eröffnet Rektorin Anne Lequy auf der Seebühne im Elbauenpark und im Stendaler Theater das Wintersemester. Unter den Studienanfängern stammt jeder zweite aus anderen Bundesländern, 30 Prozent haben ihr Abitur im Westen gemacht. "Wir haben eine hohe Ausstrahlungskraft", sagt Hochschulsprecher Norbert Doktor. Rund 300 Studienanfänger haben sich bereits in den vergangenen 14 Tagen mit einem Kurs auf das Studium eingestimmt, ein Angebot "Machdeborjerisch für Anfänger" eingeschlossen.

Vor allem der Studiengang Soziale Arbeit ist ein Magnet der Fachhochschule. Auf jeden Platz kommen zehn Bewerber, die Abiturnote entscheidet über die Zulassung. Beliebt sind auch die Studiengänge Kindheitspädagogik - für angehende Erzieher - und Journalismus. Ein Ladenhüter ist hingegen "Internationale Fachkommunikation", die Hälfte der Plätze blieb unbesetzt.

An der Hochschule Harz, der dritten Hochschule im Norden Sachsen-Anhalts, hat der Betrieb bereits Mitte September begonnen. Dort blickt Rektor Armin Willingmann mit Sorge auf die technischen Studiengänge. Von 260 Plätzen sind lediglich 90 besetzt. "Unerfreulich" findet Willingmann das. Die Fachhochschule hatte bereits angekündigt, die Vielzahl der bisherigen Angebote zu fünf neuen Studiengängen zusammenzuführen.

Insgesamt aber zeigt sich auch der Harzer Rektor zufrieden. Die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge seien voll ausgelastet, 71 Prozent der Bewerber kämen aus dem Westen. "Wir haben bundesweit sehr seltene Programme, die weit über die Region hinaus Menschen anziehen", sagt Willingmann.