Magdeburg (dpa/st) l Sie sollen kleinen Kindern Erbrochenes und Toilettenpapier in den Mund gestopft, sie geschlagen und gequält haben. Zwei Tagesmütter stehen deshalb in Magdeburg erneut vor Gericht. Zum Auftakt des neuen Prozesses wegen der mutmaßlichen Misshandlung ihrer Schutzbefohlenen haben sich die beiden Frauen in Schweigen gehüllt. Beinahe emotionslos verfolgten sie am Mittwoch im Landgericht Magdeburg das Verlesen der Anklageschrift. "Die Vorwürfe stimmen nicht", hatte Petra F. (54) lediglich in einem früheren Prozess gesagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 54-Jährigen und ihrer 29 Jahre alten Tochter Katrin F. vor, in den Jahren 2009 und 2011 Kinder gequält und geschlagen zu haben. Insgesamt 89 Straftaten stehen auf der Anklageliste. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie den Kleinen im Alter von ein bis drei Jahren Erbrochenes und Toilettenpapier in den Mund gestopft, sie am Hals aus ihren Stühlchen gezerrt und aus der Höhe in Kinderbetten ohne Matratze geworfen haben. Dabei hätten die Frauen billigend in Kauf genommen, dass sie die Kinder damit in lebensbedrohliche Situationen wie mögliche Schädelbrüche oder Erstickungsgefahr brachten.

Ein erster Prozess, in dem Mutter und Tochter die Taten gleich zu Beginn bestritten hatten, war im August 2013 ausgesetzt worden. Die Strafkammer wollte zunächst die Glaubwürdigkeit von Zeugen anhand von Gutachten überprüfen lassen, die nun vorliegen und zu einer Neuauflage des Prozesses führen. Insgesamt sind 18 Verhandlungstage bis in den Februar 2015 angesetzt. 14 Zeugen und drei Sachverständige sollen gehört werden.

"Der Prozess wird komplett neu aufgerollt. Ob die Belastungszeugen laut Gutachten glaubwürdig sind oder nicht, muss in der Hauptverhandlung geklärt werden", sagte Gerichtssprecher Christian Löffler der Volksstimme.