Sechs Anwärter hat der Tempelritterorden am 3. Oktober aufgenommen. Einer davon ist Karl-Ulrich Dobberstein aus Wettin (Saalekreis).

Herr Dobberstein, wie war der Ritterschlag?
Karl-Ulrich Dobberstein:
Ganz sanft, mehr eine Streicheleinheit mit der Klinge. Der weiße Mantel, den ich bei der Investitur bekommen habe, ist schon sehr feierlich. Trotzdem fühle ich mich jetzt nicht ritterlicher als vorher. Vielleicht kommt das später noch.

Der Gottesdienst im byzantinischen Ritus hat zwei Stunden gedauert. Das kennen Sie als Protestant so nicht.
Ja, und in der evangelischen Kirche geht´s auch eher rational zu. Das eben war sehr emotional. Durch den Ritus entsteht eine Suggestion, der man sich nicht entziehen kann.

Vor dem Ritterschlag waren Sie ein halbes Jahr Knappe - da stellt man sich einen jungen Burschen vor, der einem Ritter das Pferd führt.
Ich bin im letzten Jahr 65 geworden, da hält man keine Pferde mehr. Aber ich bin selbst geritten, als ich noch jung war. Die Knappenzeit ist eine Lehrzeit, früher hat man auch das Kämpfen gelernt. Aber heute ziehen wir ja nicht mehr in den Kreuzzug.

Zum Glück!
Mit militärischen Dingen haben wir nichts mehr am Hut. Wir haben nur noch den Schwertschlag für neue Ritter, das ist ein traditioneller Ritus.

Sie sind promovierter Chemiker. Naturwissenschaftler sind ja eher nüchterne Menschen - jetzt im Ruhestand gönnen Sie sich noch etwas Ritterromantik?
Ganz im Gegenteil, Naturwissenschaften sind so interessant und spannend. Dagegen ist das, was ich jetzt für den Erhalt der Templerkapelle mache, eher trocken: Anträge, Anrufe, Steuerangelegenheiten.

Haben Sie denn als Kind Ritterromane gelesen?
Eigentlich nur den Don Quichotte.

Der ist ja eher die Karikatur eines Ritters.
Robin Hood habe ich auch gelesen, aber der war ja kein Ritter. Die Rittersache ist also wirklich sehr spät zu mir gekommen.

Wie denn?
Ich bin vom General-Großprior angesprochen worden. Die Tempelritter haben die Templerkapelle hier in Wettin in ihr Herz geschlossen und wollten gern einen Tempelritter haben, der an Ort und Stelle ist und sich um sie kümmern kann.

Mit dem Ritterschlag sind Sie der einzige Ritter in Wettin.
Der einzige lebende. Es gibt in Wettin eine Komturei, also eine lokale Niederlassung, die früher auch einige Mitglieder hatte. Die sind aber gestorben. Der jetzige Komtur wohnt in Wiesbaden. Für das Amt dränge ich mich aber nicht auf, ich habe genug zu tun mit meinem Förderverein für die Templerkapelle.

Nun wurde der Templerorden ja schon 1312 aufgelöst.
Das stimmt. In Deutschland hat der Orden den Status eines eingetragenen gemeinnützigen Vereins. Gewisse Traditionen des Ordens werden aber beibehalten.