Wernigerode l Schubladen und Schränke sind durchwühlt. Kleidung, Papiere, Geschirr und andere Habseligkeiten liegen am Boden verstreut. Die Tür zur Terrasse ist aufgebrochen. Hier waren Diebe am Werk. Wohnungs- und Hauseinbrüche sind in der Region keine Seltenheit. So hielt die Wernigeröder vor einigen Monaten eine Einbruchsserie in der Innenstadt in Atem. Erst kürzlich wurde ein Goldschmied in der Breiten Straße Opfer von Dieben.

2013 wurden 32 Einbrüche im Zuständigkeitsbereich des Revierkommissariats Wernigerode registriert, informiert Bianca Graap vom Polizeirevier Harz. Im Harzkreis seien es insgesamt 191 gewesen. Tendenz steigend. "Im laufenden Jahr wurden bereits 37 Einbrüche (181 im Kreis) gezählt", so Bianca Graap. "Und die dunkle Jahreszeit steht uns noch bevor." Vor allem auf Geld, Schmuck, Handys und Kleinelektronik hätten es die "Ganoven" abgesehen, "eben Beute, die sich leicht sich wegtragen und schnell zu Geld machen lässt". Die Aufklärungsquote liege bei 30 Prozent.

"Uns ist bekannt, dass die Einbrüche in Ein- und Mehrfamilienhäuser zunehmen", sagt Torsten Graf, Vorsitzender des Vereins "Haus Grund" Wernigerode. Bei den aktuell 487 Mitglieder herrsche deshalb zwar keine akute Verunsicherung, "aber das Bedürfnis nach Sicherheit ist gestiegen". Die Leute seien aufmerksamer geworden. Deshalb habe der Verein kürzlich einen Informationsabend zu dem Thema angeboten. "Wir hatten Vertreter von Polizei und Versicherung und andere Experten eingeladen", so Graf. Die Resonanz sei groß gewesen, nicht nur Mitglieder, auch viele Interessierte seien erschienen.

Am meisten habe die Teilnehmer interessiert, wie sie Einbrecher abschrecken können, zum Beispiel mit Bewegungsmeldern und Schaltzeituhren für die Beleuchtung, so Graf. Nicht jeder sei schließlich finanziell in der Lage, sich eine Alarmanlage für mehrere 1000 Euro installieren zu lassen.

Dass viele Harzer inzwischen für das Thema Sicherheit sensibilisiert sind, weiß auch Bärbel Voigt vom Polizeirevier Harz. Die Polizistin beschäftigt sich mit Fragen der Prävention von Einbrüchen, hält Vorträge über "Sicherheit im Alter" bei der Seniorenvertretung und war ebenso als Gesprächpartner beim Infoabend von "Haus Grund" geladen. "Viele Menschen nehmen an, dass die Diebe vor allem in der Dunkelheit zuschlagen. Dem ist aber nicht so", sagt Bärbel Voigt auf Volksstimme-Nachfrage. "Einbrecher sind zu jeder Tages- und jeder Jahreszeit aktiv." Deshalb sei es beispielsweise wichtig, die Türen richtig zu verschließen, wenn man das Haus oder die Wohnung verlässt - wenn auch nur für kurze Zeit. "Eine Tür, die nur zugeklappt wurde, kann ein Einbrecher ohne Hilfsmittel und nahezu ohne Lärm öffnen." Genauso verhalte es sich mit Fenstern. "Ein angekipptes Fenster ist für einen Einbrecher ein offenes Fenster. Er öffnet es im Handumdrehen", so die Polizistin. Auf keinen Fall sollte der Schlüssel draußen versteckt werden, weder im Blumenkasten noch unter dem Abtreter. "Die Ganoven kennen jedes Versteck." Verlässt man für mehrere Tage das Haus, sollte man keine Hinweise darauf geben. "Am besten Nachbarn oder Familienangehörige bitten, den Briefkasten zu leeren", so Bärbel Voigt. Die Polizei setze vor allem auf Zivilcourage und Aufmerksamkeit der Nachbarn. "Taucht ein Fremder in der Nähe des Grundstückes auf, sollten Sie ihn ansprechen und fragen, was er hier sucht."