Magdeburg l Ganz neu ist die Idee nicht, die Jannack - Vorkämpfer der jungen Wilden in der Fraktion - da präsentierte. Die Hallenser durften im September 2012 eine ganze Woche lang kostenlos Busse und Bahnen nutzen; ein Beitrag der Stadt zur europäischen Mobilitätswoche. Aber auch in Leipzig und in zahllosen westdeutschen Städten haben Aktionstage nach dem Motto freie Fahrt für alle schon Schule gemacht. "Warum nicht auch in Magdeburg?", fragte sich Jannack und kam ausgerechnet aufs bevorstehende Weihnachtsgeschäft.

Aus den anderen Fraktionen abseits der Grünen schallte es am Montag Zeter und Mordio zurück.

Auftakt, Christian Hausmann (SPD): "Eine einfache Rechenaufgabe für Sie, Herr Jannack. Wenn Sie das nächste mal beantragen, die MVB solle ihren Jahresüberschuss behalten dürfen (Das hatte Jannack in der Sitzung am Donnerstag vergeblich beantragt - d. Red.), dann ziehen sie gleich mal 200000 Euro ab." So viel koste nämlich der Spaß und darüber, so Hausmann, hätte man sich ja vorher informieren können, bevor man hier - sinngemäß - so einen Unfug verzapfe. Daneben, bewahre, gingen der Stadt auch noch reichlich Parkeinnahmen verloren. Hausmann: "Das ist unwirtschaftlich in doppelter Hinsicht. Deshalb von uns ein klares Nein!"

Ähnlich zackig trug CDU-Mann Reinhard Stern seine Abfuhr vor. "Das sind die einnahmestärksten Wochenenden für die MVB. Die freuen sich schon drauf." Daneben habe die Gesellschaft für Konsumforschung einmal ermittelt, dass ein Kunde, der im Auto vorfährt, regelmäßig 500 Euro in Geschäften lasse, ein Bahnfahrer aber nur 100. Die Händler würden sich bedanken. Letzteres sprach Stern nicht mehr aus, aber das konnte man sich denken.

Ein "bisschen schwierig" nannte Linksfraktionschef Frank Theile seine Situation, als er ans Mikrofon trat. Er fand sich wiederholt in der Lage wieder, einen Antrag aus den eigenen Reihen nicht ganz gelungen zu finden. Zwar setzte sich die Linke im Kommunalwahlkampf 2014 für einen gänzlich fahrscheinlosen und statt dessen aus der Stadtkasse "umlagefinanzierten" ÖPNV ein. Dafür sieht Theile die Zeit indes wohl noch nicht gekommen und urteilte über den Antrag seines Fraktionskollegen viel mehr, dass er "so keinen Sinn" mache. "Ich würde dem Antragsteller raten", so Theile den Termin auf 2015 zu datieren, so dass dem Unternehmen wirklich Zeit zur Prüfung und Planung bleibt. Jetzt ist das nicht einkalkuliert." Jannack ging gelehrig auf den Rat des Fraktionschefs ein, wandelte die Freifahrtidee in einer für die Adventssonntage 2015 um, sammelte damit aber bei einer Ratsmehrheit dennoch keine Punkte bzw. Stimmen.

Für die SPD blieb Falko Grube derweil dabei: "Man kann das machen, erstens, wenn man den MVB-Zuschuss erhöht oder zweitens, wenn man die Fahrpreise erhöht. Beides trägt unsere Fraktion nicht mit."

Erwärmen konnten sich für Jannacks Idee ausschließlich die Grünen. Am Ende verbuchte der Linke 12 Ja-Stimmen von Fraktionskollegen und Grünen auf der Habenseite und drei Enthaltungen aus den gleichen Lagern. Alle anderen anwesenden Stadträte - die klare Mehrheit aus SPD, CDU, FDP und BfM - lehnte das vorfristige Weihnachtsgeschenk für Nahverkehrsnutzer im Advent rundweg ab.

Bilder