Stendal l Die Sitzung des Sparkassen-Verwaltungsrates am Dienstagnachmittag war nicht frei von Dramatik. Sparkassen-Vorstand Paul Rodermann musste kurz vor der Sitzung und unmittelbar nach einem längeren Besprechungstermin mit Landrat Carsten Wulfänger (CDU) mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert werden - er hatte einen Herzinfarkt erlitten.

Marcus Gutmann wird bis zum Dienstantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Jörg Achereiner am 1. Januar "den Vorstand verstärken" und Rodermann bis dahin die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden übernehmen, wie es in der Pressemitteilung des Verwaltungsrates heißt. "Die Handlungsfähigkeit der Kreissparkasse ist durch die vorhandenen Vertreterregelungen nicht in Frage gestellt", erklärte Wulfänger auf Volksstimme-Nachfrage.

Auf der Sitzung schlug der Verwaltungsrat dann ein neues Kapitel im Sparkassen-Skandal auf: Nunmehr werden alle Organkredite der Jahre 2004 bis 2014 durch die Sparkassenaufsicht des Finanzministeriums überprüft - dahinter verbergen sich die Darlehen an die Mitglieder des Vorstandes und des Verwaltungsrates. Laut der Geschäftsberichte beliefen sich die Summen in den vergangenen drei Jahren für die Vorstandsmitglieder auf rund 200000 Euro und für die Mitglieder des Verwaltungsrates auf etwas mehr als eine Million Euro.

Burmeister-Alleingänge für Riedinger

Es geht damit nicht mehr allein um Unregelmäßigkeiten in der Ära des Ex-Vorstandschefs Dieter Burmeister beim Fuhrpark und bei Sparkassenbauten. Die Kreditüberprüfung ist eine neue Dimension.

Damit zog das Kontrollgremium erste Konsequenzen, nachdem Überprüfungen vor kurzem ergeben hatten, dass der langjährige Kreistagsvorsitzende und ehemalige Landrat Lothar Riedinger (CDU) über Jahre hinweg von Burmeister eigenmächtig unter Umgehung von Vorschriften Kredite und in einem Fall auch deutlich reduzierte Konditionen bekommen hatte, die einen aktuellen Schaden von rund 500000 Euro verursacht haben.

Nach derzeitigem Stand hat sich der Kommunalpolitiker als damaliges Verwaltungsmitglied korrekt verhalten - Riedinger nahm an den Abstimmungen in seiner Sache im Kreditausschuss nicht teil.

Im zweiten jüngst festgestellten Fall, bei dem Burmeister Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen wird, geht das Gremium etwas defensiver vor. Burmeisters riskante Kreditgeschäfte mit einer inzwischen insolventen Stendaler Rohr- und Schachtanlagen-Firma sollen zunächst noch einmal intern gecheckt werden. Hierbei soll nach ersten Überschlagungen ein Schaden von 1,2 Millionen Euro entstanden sein (Volksstimme berichtete).

Nach Volksstimme-Informationen werden beide Fälle aber noch weitreichender geprüft, da die Unterlagen noch nicht endgültig bewertet werden konnten. Davon dürfte am Ende auch abhängig sein, ob und in welcher Höhe hier der Ex-Vorstandschef in Regress genommen werden könnte. In jedem Fall gehen Juristen davon aus, dass sich die Position der Sparkasse im Fall der Klage von Burmeister gegen seine fristlose Kündigung wegen dieser Pflichtverletzungen weiter verbessern dürfte.

Dass bei den weiteren Prüfungen noch neue Verfehlungen auftauchen können, schließt das Gremium offenbar selbst nicht aus und kündigt an, diese auch juristisch verfolgen zu wollen: "Sollte es zu weiteren Schadensersatzansprüchen kommen, werden diese geltend gemacht."

Fuhrpark mit mehr Wagen als zunächst geplant

Ins Stocken geraten ist hingegen der Abbau des überdimensionierten Fuhrparks. Die einst 39 Fahrzeuge konnte die Sparkasse bis zum Frühjahr auf 29 abschmelzen. Damals erklärte Landrat Wulfänger das "Ziel", den Fahrzeugbestand "innerhalb eines Jahres" auf zehn zu reduzieren.

Ein halbes Jahr später sind immer noch 27 Fahrzeuge vorhanden. Nunmehr heißt es: "Innerhalb des kommenden Jahres soll der Pkw-Bestand auf 14 reduziert werden." Nachbar-Kreditinstute kommen hingegen mit sechs bis zehn Fahrzeugen aus.

Oldtimer-Freunde haben indes das Nachsehen - der Austin Seven "Boxer Saloon" aus den 1930er Jahre ist inzwischen verkauft.