Cyberkriminaliät
Was ist Cyberkriminalität? Straftaten unter Ausnutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnik. Zum Beispiel Computerbetrug, Betrug mit Zugangsberechtigungen, Fälschen beweiserheblicher Daten, Computersabotage sowie Ausspähen und Abfangen von Daten.
Bundesweite Entwicklung der Cyberkriminalität: Vor fünf Jahren sind noch 50254 Fälle registriert worden. Im vergangenen Jahr stiegen die Zahlen auf 64426 Fälle.
Land Sachsen-Anhalt: Die Straftaten nahmen in den vergangenen fünf Jahren von 1220 auf 1714 zu. Die Aufklärungsquote sank im gleichen Zeitraum von 37,1 auf 29,5 Prozent. Von den 491 ermittelten Verdächtigen waren 491 männlich und 59 nichtdeutscher Herkunft.

Magdeburg l Die rund 50 Spezialisten im sogenannten Cyber-Crime-Competence-Center (4C) haben alle Hände voll zu tun.Allein im vergangenen Jahr werteten die Experten eine Datenmenge von rund 140 Terabyte aus. Das entspricht der Menge von etwa 50 Millionen digitalen Fotos. Insgesamt 280 Unterstützungsaufträge lagen auf dem Tisch der Ermittler.

In einem ihrer aktuellen Fälle ist eine Firma aus Sachsen-Anhalt erpresst worden: Unbekannte hackten sich über den Router in das System des Unternehmens und kamen so an sensible Datenordner. Diese verschlüsselten die Kriminellen so, dass nur ein Passwort diese wieder entschlüsseln kann. Die Erpresser hinterließen in einer Textdatei Kontonummer für das Lösegeld und eine E-Mail-Adresse für die Kontaktaufnahme. "Wir konnten die digitale Spur über Server in Panama, den USA und Russland verfolgen", erklärt die Leiterin des Kompetenzzentrums Petra Paulick. Die Zusammenarbeit mit den internationalen Strafverfolgungsbehörden verlangte von den Ermittlern aus Sachsen-Anhalt viel Geduld. Doch sie zahlte sich aus: Das über ein Konto der Western-Union-Bank eingezahlte Geld konnten die Polizisten zurückverfolgen bis in die Stadt Wolgograd, dort konnten vier "Finanzagenten" ermittelt werden.

Was mit den Verdächtigen passiert, ist noch offen. Sie sind zumindest identifiziert. Paulick: "Das Verfahren läuft noch und wird noch eine Weile dauern." Wie viele Unternehmen in Deutschland bereits auf diese Weise Opfer der Erpresser geworden sind, sei noch unklar. Viele zahlen möglicherweise das verhältnismäßig niedrige Lösegeld in Höhe von 3000 Euro. Offenbar gehört auch das zum Plan der Ganoven.

Nicht nur für die Ermittler ist die sich rasant entwickelnde Internetkriminalität eine Herausforderung. Auch die Staatsanwaltschaften müssen sich auf die immer undurchsichtigeren Maschen und Betrugsvarianten weltweit agierender Banden einstellen. Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad würde deshalb gerne eine spezielle Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cyberkriminalität gründen. "Dazu laufen auch in der nächsten Woche Gespräche", sagt er. Bisher hat nur jede der Staatsanwaltschaften in Stendal, Magdeburg, Halle und Dessau einen speziellen Staatsanwalt mit Fachkenntnissen. "Das sollte aber an einem Standort mit spezialisierten Dezernenten zusammengefasst werden", sagt er. Die Spezialeinheit der Staatsanwaltschaft für Kinderpornografie in Halle bleibe davon aber unberührt. Dies habe sich in der Vergangenheit bereits bewährt.

So ist es auch bei allen anderen Straftaten im Internet, bei denen auch Smart-Phones und Tablet-PC eine wichtige Rolle einnehmen. "Es ist absolut beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit sich die Kriminalität auf diesem Gebiet entwickelt", sagt der Direktor des Landeskriminalamtes Jürgen Schmökel. Er sagt: "Wir müssen auf Augenhöhe mit den Straftätern bleiben, rechtlich, personell und materiell."

Dies ist alles andere als einfach. Wenn Programme zur Jagd auf Cyberkriminelle irgendwann rechtlich genehmigt sind, gehören sie schon wieder in den digitalen Papierkorb. Weiterbildungen gerade auf dem IT-Sektor sind teuer und daher selten. "Wir arbeiten deshalb schon sehr eng mit anderen Behörden zusammen und organisieren die Weiterbildungen in unserem Haus", sagt Schmökel. Für ihn steht es außer Frage, dass das vor zwei Jahren gegründete Kompetenzzentrum "4C" sich zur festen Abteilung des Landeskriminalamtes entwickeln muss. "Wir benötigen auch ein wenig mehr Personal", sagt er.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) steht dem sehr offen gegenüber: "Das Kompetenzzentrum hat sich in jedem Fall bewährt und wir müssen auch über eine personelle Aufstockung nachdenken." Sachsen-Anhalt hatte als eines der ersten Bundesländer ein solches Zentrum aufgebaut. Inzwischen gibt es die Einrichtung auch im Bundeskriminalamt und in weiteren Ländern.