So wollen die Hochschulen sparen (Beispiele):
Universität Magdeburg
Die Humanwissenschaften bleiben erhalten, verlieren aber zehn Professuren und etliche Studienprogramme. Gestrichen werden etwa Professuren für Geschichte, Anglistik, Slawische Linguistik. Alle Ingenieurwissenschaftler werden zu einer Fakultät zusammengeschlossen, Mathematik und Naturwissenschaften fusionieren ebenfalls. Die zentrale Verwaltung muss zehn Stellen abbauen, Energiekosten sollen sinken. Studienplätze: 250 weniger

Universität Halle
Keine Sparbeschlüsse getroffen.

Hochschule Magdeburg-Stendal
Die Studiengänge Fachübersetzen und Fachdolmetschen werden gestrichen. Fachbereiche sollen zusammengelegt werden und so effizienter werden. Die Verwaltung soll mit der Universität kooperieren, Ziel ist unter anderem eine gemeinsame Bibliothek. Studienplätze: 160 weniger

Hochschule Anhalt
31 Stellen werden abgebaut. Zum Erhalt ihrer Studienplätze will die Hochschule andere Geldgeber anzapfen ("Drittmittel"). Studienplätze: konstant

Hochschule Merseburg
Künftig einheitliches Grundstudium für alle Ingenieure. Einige Vertiefungsrichtungen werden gestrichen. Die Verwaltung muss sparen. Ein Orientierungssemester soll die Zahl der Abbrecher senken. Studienplätze: konstant

Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle
Fünf Professuren werden nicht mehr besetzt, die Leistungen sollen hingegen erhalten bleiben. Studienplätze: konstant

Hochschule Harz
Fünf Stellen aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Automatisierung und Information werden ab 2015 gestrichen. Die Kosten für Energie und Verwaltung sollen sinken. Studienplätze: etwa konstant

Magdeburg l Sechs der sieben staatlichen Hochschulen haben bis zum Mittwochabend Pläne beschlossen, wie sie die vom Land vorgegebenen Sparsummen erbringen wollen. Einen anderen Weg geht die Uni Halle-Wittenberg, mit 20000 Studenten größte Hochschule des Landes: Ihr Senat lehnt Einschnitte ab. Die vom Land geforderten Beträge seien nicht zu schaffen, heißt es in dem am Mittwoch beratenen Papier.

Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) kündigte an, die Uni Halle müsse in den kommenden zwei Monaten nacharbeiten. Die anderen Hochschulen könnten noch im Dezember eine Zielvereinbarung abschließen und damit ab Januar über ihr Budget verfügen, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den sieben Rektoren.

Möllring sieht sich allerdings vor einem komplizierten Procedere, sollte er eine reform-unwillige Uni Halle selbst steuern müssen. Die einschlägigen Gesetzesparagraphen seien verwirrend: "Dagegen ist der gordische Knoten eine Geburtstagsschleife."

Halles Rektor Udo Sträter nutzte den Auftritt in Magdeburg, um mehr Geld zu fordern. Anders könne die Uni Halle im deutschen und internationalen Wettbewerb nicht mehr mitspielen, "dann bleibt nur eine Klitsche übrig". Er verwies auf die Aufgaben, die Halle im Interesse des Landes übernehme, etwa die Ausbildung von Lehrern und Juristen, Landwirten und Theologen. Sträter sieht auch keine Notwendigkeit für die Kürzungen, weil der Bund das Land beim Bafög um rund 30 Millionen Euro entlastet. Zudem habe Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) angekündigt, der Bund werde in die Grundfinanzierung der Hochschulen einsteigen. Er vertraue auf das Wort einer Bundesministerin, sagte Sträter.

Die Spitzen anderer Hochschulen reagieren zusehends genervt auf den Sonderweg Halles. Während der Pressekonferenz gab es wiederholt Stirnrunzeln - besonders, als Sträter seine Uni als "die älteste, größte und schönste Universität des Landes" pries und hinzufügte: "Wir sind so etwas wie die Landesuniversität."

"Wir unterschreiben nur, wenn es zu einer Gleichbehandlung kommt."
Magdeburgs Rektor Jens Strackeljan

Als Sträter die Herauslösung der Musikpädagogik in eine eigene Musikhochschule vorschlug, platzte Magdeburgs Uni-Rektor dazwischen. Mit einer zusätzlichen Hochschule werde das Land "viel sparen", sagte er sarkastisch.

Die Magdeburger beobachten mit Argusaugen, ob die Hallenser beim Land Zugeständnisse aushandeln können. "Wir unterschreiben die Zielvereinbarung nur, wenn es zu einer Gleichbehandlung der Hochschulen kommt", kündigte Jens Strackeljan gegenüber der Volksstimme an. "Dreist" sei zudem die Eigenbeschreibung Halles als "Landesuniversität". Schließlich sei die Ausbildung von Ingenieuren nicht weniger wichtig als die von Juristen.

Die Pläne der Hochschulen belegen, dass entgegen einem Landtagsbeschluss nun doch Studienplätze wegfallen. Die Uni Magdeburg spricht von jährlich 250 Plätzen, die Hochschule Magdeburg-Stendal von 160. "Wir werden beim Masterstudium die Nachfrage der Studierenden und den Bedarf der Wirtschaft nicht mehr decken können", kündigte Rektorin Anne Lequi an.

Auf Nachfrage relativierte Wissenschaftsminister Möllring den Landtagsbeschluss gegen Studienplatzabbau: Entscheidend sei, was im Haushaltsplan stehe. "Dass die Hochschulen bei sinkenden Mitteln nicht die bisherigen Angebote aufrechterhalten können, ist reine Mathematik."