Leipzig/Magdeburg (dpa/epd/vs) l Vor 1700 Gästen im Leipziger Gewandhaus sagte Gauck am Donnerstag: "Wir dürfen niemals vergessen, dass unsere Demokratie nicht nur bedroht ist von Extremisten, Fanatikern und Ideologen, sondern dass sie ausgehöhlt werden und ausdörren kann, wenn die Bürger sie nicht mit Leben erfüllen." Als Lehre aus der Geschichte forderte Gauck mehr Einsatz für die demokratischen Werte.

Gauck würdigte das Engagement der vielen Bürger, das zum Sturz des DDR-Regimes geführt habe. Deshalb habe er auch die Präsidenten Ungarns, Polens, Tschechiens und der Slowakei genau an diesem Tag nach Leipzig eingeladen. Sichtlich bewegt betonte Gauck: "Hier und heute sagen wir es noch einmal ganz deutlich: kein 9. November ohne den 9. Oktober. Vor der Einheit kam die Freiheit." Am 9. Oktober 1989 waren in Leipzig mehr als 70000 Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Unter dem Ruf "Wir sind das Volk" zogen sie durch die Stadt. Die Staatsmacht beugte sich den friedlichen Demonstranten. Sechs Persönlichkeiten, darunter Star-Dirigent Kurt Masur, hatten sich an diesem Tag vor 25 Jahren mit einem eindringlichen Appell gegen Gewalt an die Öffentlichkeit gewandt. Nur einen Monat später, am 9. November, fiel die Berliner Mauer.

Beim Friedensgebet in der Nikolaikirche, die zum Symbol des friedlichen Protests vor 25 Jahren in Leipzig wurde, würdigte der damalige US-Außenminister James Baker am frühen Abend den Mut der Leipziger Demonstranten.

Nach dem Friedensgebet läuteten um 18.35 Uhr die Glocken der Nikolaikirche in Erinnerung an den Zeitpunkt, an dem am 9. Oktober 1989 der Einsatzbefehl gegen die Demonstranten zurückgenommen worden war. Anschließend begaben sich rund 150000 Menschen auf den 89er Weg um die Innenstadt.

Im Magdeburg trafen sich rund 700 Besucher zu einem Gedenkgottesdienst im Dom und erinnerten an den 9. Oktober 1989. Unter dem Leitspruch "Wach auf, der du schläfst" berichteten Zeitzeugen, wie sie den "Tag der Angst und der Hoffnung" damals erlebt hatten. Zum Abschluss der des Gottesdienstes zogen die Teilnehmer mit brennenden Kerzen zum Bürgerdenkmal am Dom.