Was soll sich durch das neue "Deutsche Zentrum Kulturgutverluste" verbessern?
Monika Grütters: Das Zentrum wird alle bisherigen Anstrengungen der Forschungsstelle für Provenienzfoschung und der Koordinierungsstelle bündeln, effizienter und sichtbarer machen. Und es richtet sich mit seinen Förderungen nicht nur an öffentliche Einrichtungen, sondern auch an Privatleute.

Welche Möglichkeiten hat das Zentrum, forschungsunwillige Museen, Bibliotheken, Archive zu Forschungen zu animieren?
Das Bewusstsein für die Geschichte der eigenen Sammlungen ist enorm gestiegen. Tatsächlich werden aber in 60 Prozent der Einrichtungen Bestände unklarer Herkunft vermutet, doch nur zehn Prozent haben die Mittel zu forschen. Mit der Erhöhung der Förderungen gibt es die Ausrede, sich Provenienzforschung nicht leisten zu können, nicht mehr.

Wie viel Geld steht dem neuen Zentrum und der Provenienzforschung in Zukunft zur Verfügung?
Es erhält neben den Beiträgen aller Stifter zum Stiftungskapital jährliche Zuwendungen von Bund und Ländern. Die Stiftung startet noch 2014 mit einer Förderung von mindestens 4 Millionen Euro aus meinem Haushalt. Für die Provenienzforschung wird der Bund ab 2015 sechs Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Länder werden zusätzlich zur Mitfinanzierung der dezentralen Provenienzforschung ihre Engagements für die Koordinierungsstelle Magdeburg und die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Höhe von 608000 Euro pro Jahr auf das Zentrum überleiten.

Kritik an der Aufarbeitung in deutschen Museen kommt vor allem aus dem Ausland. Wie will die neue Stiftung für mehr Transparenz und Information sorgen?
Natürlich muss es eine aktivere Öffentlichkeitsarbeit geben. Unsere Bemühungen zur Gründung des Zentrums haben bereits weltweit für Bewunderung gesorgt. Die israelische Kulturministerin hat uns gebeten, deutsche Provenienzforscher in israelische Museen zu schicken, um die Geschichte bestimmter Stücke aufzuarbeiten. Noch in diesem Monat fährt die erste Gruppe nach Israel. Das ist ein enormer Vertrauensbeweis.

Wer wird das neue Zentrum leiten?
Das wird in den nächsten Monaten entschieden. Das Zentrum soll am 1. Januar 2015 seine Arbeit in Magdeburg aufnehmen.