Magdeburg l Am Mittwoch geben die vier großen Netzbetreiber die aktuelle EEG-Umlage bekannt. Wie jedes Jahr Mitte Oktober erfahren dann alle Stromkunden, mit wie vielen Cent je Kilowattstunde sie im kommenden Jahr die Ökostromhersteller subventionieren. Da immer mehr Windräder, Solarmodule und Biogasanlagen ans Netz gingen, versechsfachte sich die Umlage in den letzten fünf Jahren von gut einem auf aktuell mehr als sechs Cent.

Für einen privaten Durchschnittshaushalt sind das jährliche Mehrkosten von 175 Euro. Insgesamt zahlten alle Deutschen letztes Jahr mehr als 20 Milliarden Euro an die Ökostromer. Nun sinkt die Umlage erstmals: Voraussichtlich von aktuell 6,24 auf 5,8 Cent je Kilowattstunde. Für einen Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das eine Entlastung von gut 15 Euro.

"Die Senkung basiert auf einem buchhalterischen Kunstgriff."- Stadtwerke-Chef Helmut Herdt

Allerdings sind Fachleute überzeugt, dass es sich um einen Kurzzeiteffekt handelt. "Die Senkung basiert neben klimatischen Einflüssen auch auf einem buchhalterischen Kunstgriff des neuen EEG", sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Städtischen Werke Magdeburg, Helmut Herdt.

Denn: Das in diesem Jahr novellierte Ökostromgesetz EEG hat den Zahlmodus geändert. Die Grünstromproduzenten bekommen zwar weiterhin jeden Monat Abschlagszahlungen von den Netzbetreibern - nunmehr allerdings erst am 15. für den Vormonat, also später als bislang üblich. So bekamen die Produzenten das August-Geld erst im September. Da die Kunden aber weiterhin allmonatlich ihre Abschläge zahlen, türmt sich seitdem auf dem bundesweiten EEG-Konto ein Guthaben von 1,5 Milliarden Euro auf. Entscheidend für die Bestimmung der EEG-Umlage ist der Kontostand im September. Dank der fetten Guthaben sinkt die Umlage.

Doch die Freude dürfte nur von kurzer Dauer sein. Versorger rechnen damit, dass im nächsten Jahr der Buchungseffekt wieder verpufft ist. Der Subventionsbedarf bleibt nämlich hoch, da die Besitzer von Altanlagen 20 Jahre lang üppige Vergütungssätze garantiert gezahlt bekommen. Außerdem gehen weitere neue Anlagen ans Netz. Da die Kunden nun weniger Umlagen einzahlen, erwarten Versorger nächstes Jahr eine Deckungslücke. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Umlage für 2016 auf gut 7 Cent klettern wird. In den vergangenen Jahren wurde die Subvention des Grünstroms zwar gesenkt, doch das wirkt sich erst allmählich preisdämpfend aus. So bekommt ein Solaranlagenbesitzer, der 2002 ans Netz ging, bis 2022 für jede Kilowattstunde Sonnenstrom 48 Cent. Ein Windmüller erhält aus jener Zeit eine Förderung von 6 bis 9 Cent je kWh.