Akureyri. Dass eine rote Ampel naturgewaltigen Sehenswürdigkeiten wie Geysir, Lavawüste und Kontinentalspalte starke Konkurrenz machen kann, würde man wohl nicht vermuten. Der Island-Reisende gerät da bei der heimischen Bilderschau jedoch schnell ins Wanken, bei welchem Foto man mehr ins Schwärmen kommen sollte.

Denn bei aller Faszination angesichts der durch Erdgewalt geformten und hervorgebrachten Naturphänomene auf dieser Insel im europäischen Nordmeer - die gewitzte Findigkeit der Einheimischen kann da gut mithalten.

Zumindest gilt das für die Stadtverwaltung des im Norden gelegenen Akureyri, mit 18.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes. Dort nämlich hat man im wahrsten Wortsinne ein Herz für Autofahrer. Bei Rot zeigt sich hier nicht etwa ein schnöder Kreis, sondern - eben: ein Herz.

Wäre es nicht schön und den Autofahrerfrust mildernd, wenn auch hierzulande ein kreatives, witziges Motiv den Verkehrsfluss etwas heiterer steuern würde? Eine Anfrage bei der Stadtverwaltung im altmärkischen Stendal ergab zwar durchaus Sympathie für die Idee, man verwies aber gleichzeitig darauf, dass eine Umstellung Geld kosten würde und man außerdem an geltende Regularien gebunden sei. Ganz vornan steht da recht unherzig die RiLSA 2010, die "Richtlinie für Lichtsignalanlagen", in der zwar laut Auskunft "Formen für Kraftfahrzeugsignalgeber nicht ausdrücklich erwähnt" werden, aber immerhin der Begriff "Durchmesser" auftaucht, so dass von einer Kreis-Grundform auszugehen sei.

Nun ja, es war ja nur eine Idee. Die isländische RiLSA ist, wenn auch gewiss noch schwieriger auszusprechen, offenbar doch flexibler. Und von Verkehrsbehinderungen durch verliebt-versonnen auf Ampeln starrende und so Extremstaus verursachende Verkehrsteilnehmer ist aus dem nordisländischen Akureyri bislang nichts bekannt. Was aber auch daran liegen kann, dass eine Ampel im Gegensatz zu einem Gletschervulkan nicht ausbrechen kann und es somit wohl nie in die Weltnachrichten schaffen wird.