Lüderitz l Kurz nach dem 34. Geburtstag von Susann Wittenbecher wurde jetzt die Baugrube für ihre künftige Allgemeinarztpraxis in Lüderitz ausgehoben - und auch die für das Heim ihrer Familie. Voraussichtlich im Mai kommenden Jahres soll die Praxis am Mühlenweg faktisch an der Ortsgrenze von Lüderitz und Groß Schwarzlosen eröffnen. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Erste Kontakte zum früheren Lüderitzer Landarzt Klaus Prosowski, der bis 2011 rund 44 Jahre lang die Menschen der Region betreute, gab es bereits. "Er hat mir seine Unterstützung zugesagt und dafür bin ich sehr dankbar", freut sich Susann Wittenbecher.

Die Allgemeinmedizinerin, die in Tangerhütte als Susann Göcking aufwuchs, dort ihr Abitur ablegte und nach einem Ausflug in die Zahnmedizin der ganzheitlichen Behandlung des Menschen den Vorzug gab, wollte schon immer Ärztin werden. Dass der Weg dorthin ein langer werden würde, war ihr früh klar. Sechs Jahre lang studierte sie Humanmedizin in Halle, weitere fünf Jahre lang spezialisierte sie sich als Arzt in Weiterbildung in den Bereichen Innere Medizin und Kinderheilkunde.

"Landidylle mit dem grünen Baum vorm Fenster gesucht"

Hinzu kamen unter anderem Naturheilverfahren, Geriatrie und Palliativmedizin, Psychosomatik oder Akupunktur, aber auch die Ausbildung zum Notarzt. Die Kosten für solche Zusatzkurse müssten junge Studenten heute selbst zahlen, erzählt sie. Die Liste der Weiterbildungen und Workshops in ihrem Lebenslauf ist lang und reicht von der Manualtherapie über Sonografie, psychosomatische Grundversorgung, Kinesiotaping und Wundversorgung bis hin zur Reise- und Tropenmedizin.

Die fünf Jahre als Facharzt, in denen sie in Bitterfeld, Merseburg, Leipzig oder Bernburg arbeitete, waren Voraussetzung für die Zulassung als niedergelassener Arzt und die wurde inzwischen erteilt. Ihre Facharztprüfung als Allgemeinmedizinerin bei der Ärztekammer legte sie Anfang dieses Jahres ab. Was folgte, waren viele bürokratische Dinge, auch einen professionellen Businessplan galt es zu erstellen, um als niedergelassene Ärztin praktizieren zu können. Das neue Objekt finanziert die junge Ärztin, die mit Mann und zwei kleinen Kindern nach Groß Schwarzlosen ziehen wird, komplett selbst.

Ausschlaggebend war neben der Tatsache, dass die Region Lüderitz bei der Kassenärztlichen Vereinigung als unterversorgt geführt wurde, auch die ländliche Region und die Nähe zu den eigenen Eltern in Birkholz. Nach langen Jahren in Leipzig sagt Susann Wittenbecher: "Wir haben Landidylle mit dem grünen Baum vorm Fenster gesucht." Hinzu kamen wichtige Standortfaktoren wie Kindertagesstätte und Schule im Ort.

Ihr Berufswunsch ist übrigens auch deshalb früh geprägt worden, weil schon ihre Großeltern Ärzte waren: der Opa Internist in der einstigen Poliklinik in Tangehütte, die Oma Betriebsärztin. Auch ihre Tante praktiziert als Landärztin in Staßfurt und die Schwester als angestellte Ärztin in Tangerhütte.

Susann Wittenbecher träumt davon, die Menschen von der Kindheit bis ins Alter begleiten und ganzheitlich betreuen zu können. Dass dazu auch hohe Anforderungen - vom Bereitschaftsdienst bis zu den vielen kleinen und großen Sorgen der Patienten - auf sie zukommen werden, ist ihr sehr bewusst. Für ihre neue Praxis, in der es gleich mehrere Behandlungsräume geben wird, sucht die künftige Lüderitzer Landärztin noch Schwestern. Kontakt zu Susann Wittenbecher ist möglich per E-Mail unter: bewerbung-wittenbecher@gmx.de.