Jerichow l Bei der erneuten Sprengung eines Geldautomaten in Sachsen-Anhalt haben in der Nacht zum Mittwoch gegen 3 Uhr in der Stadt Jerichow im Jerichower Land Unbekannte mehr als 100.000 Euro erbeutet. Der laute Knall weckte mitten in der Nacht gleich mehrere Anwohner gegenüberliegender Häuser. Sie beobachteten drei dunkle Gestalten, die sich nach der Explosion in dem Automatenraum der Sparkasse Jerichower Land im Erdgeschoss eines Bürohauses zu schaffen machten. Dann rasten die Täter mit einer dunklen Limousine davon. Die Polizei setzte zwar noch in der Nacht einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein, aber ohne Erfolg.

Das Fluchtfahrzeug, einen grauen Audi A6, fand später ein Waldarbeiter in einem Waldgebiet bei Sydow an der Landesgrenze zu Brandenburg, nur zehn Kilometer vom Tatort entfernt. Der Wagen mit Flensburger Kennzeichen war bereits am 1. Oktober dieses Jahres in Kiel entwendet worden. Die Explosion in Jerichow hatte den Automatenraum verwüstet. Die Wucht der Detonation drückte auch Türen und Fenster heraus.

Bankgebäude ist schwer beschädigt

Die Ermittler fanden bei der Spurensicherung weder die genutzten Gasflaschen noch die herausgesprengten Geldkassetten, in denen sich die Banknoten befanden. Sie wurden offensichtlich mitgenommen. Da der Automat kurz zuvor gefüllt worden war, vermutet die Polizei, dass die Täter die Geschäftsstelle möglicherweise im Vorfeld ausspioniert haben.

Auch das Gebäude selbst hat durch die Sprengung möglicherweise schweren Schaden genommen. Ein Riss, der rund um das Haus im Mauerwerk zu sehen ist, gibt Grund zur Sorge. Unternehmenssprecher Lutz Lapka: "Wir müssen jetzt den Schaden durch einen Statiker prüfen lassen." Wann die Geschäftsstelle wieder geöffnet werden kann, sei noch unklar. Das Landeskriminalamt hat in diesem Fall die Ermittlungen vorerst nicht übernommen, da ein Zusammenhang mit der Serie der Harzer Gasbomber ausgeschlossen werden kann. Anfang September fasste die Polizei bei Staßfurt im Salzlandkreis zwei Männer im Alter von 37 und 38 Jahren, denen bisher vier Taten nachgewiesen werden konnten. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Die Sprengungen in Möckern (Jerichower Land), Magdeburg und Ilsenburg konnten den Harzern nicht zugeordnet werden. Die Taten trugen eine andere Handschrift. Insgesamt gab es seit Jahresbeginn 13 Sprengungen von Geldautomaten, in fünf Fällen scheiterte der Versuch.