Die FDP in Sachsen-Anhalt

Ohne Abgeordnete, ohne Einfluss und dazu verschuldet - die FDP in Sachsen-Anhalt ist an einem Tiefpunkt. 2011 erzielte sie 3,8 Prozent der Stimmen und flog aus dem Landtag. Bei der Bundestagswahl 2013 (Ergebnis in Sachsen-Anhalt: 1,8 Prozent) verlor sie mit Jens Ackermann und Cornelia Pieper auch ihre Berliner Abgeordneten. Pieper, mittlerweile Generalkonsulin in Danzig, hat ihren Abschied vom Landesvorsitz angekündigt. Ihr Nachfolger wird im April 2015 gewählt, erstmals von den Mitgliedern. Das sind derzeit 1315. Bis 2016 will der Verband seine Schulden aus früheren Wahlkämpfen abtragen. (he)

Haldensleben l Die Liberalen stehen vor der Wahl: Sollen sie einen Neuanfang wagen - oder doch lieber auf bekanntere Gesichter setzen? Für Veit Wolpert ist die Sache klar: Der 54-Jährige, Ex-Vorsitzender der Landespartei und Ex-Chef der Landtagsfraktion, will zurück an die Spitze. Mit 80 Prozent der Stimmen habe ihn der Kreistag Anhalt-Bitterfeld zum Vorsitzenden gewählt, berichtet er am Donnerstagabend stolz bei der ersten Regionalkonferenz der Partei in Haldensleben. Es werde auch öffentlich wahrgenommen, wenn ihn der Landtagspräsident bei einem Termin umarme: "Diesen Effekt kann ein Jüngerer nicht erzielen."

Damit stößt Wolpert allerdings auf energischen Widerspruch. "Also Veit, bitte!", empört sich Landesschatzmeister Allard von Arnim: "Die Partei lechzt doch nach einem Neuanfang!" Frank Sitta, Unternehmer aus Halle und per Video-Telefon aus Brüssel zugeschaltet, wird noch deutlicher. "Diese Arroganz finde ich völlig unangebracht." Sein Appell an die gut 50 FDP-Mitglieder, die an diesem Abend die Kandidaten begutachten: "Sie können wählen, wen Sie wollen - aber wählen Sie einen, der es noch nicht gemacht hat."

Inhaltlich kaum Differenzen

Zu denen zählt außer Sitta noch Harald Oster, der an diesem Abend abwesende Kreisvorsitzende von Mansfeld-Südharz. Zu den bekannten Gesichtern hingegen zählt Lydia Hüskens, Vize-Chefin des Landesverbandes und einzige Frau unter den Bewerbern. "Ich glaube nicht, dass die Wähler Menschen wählen, von denen sie kein Bild haben", sagt die 50-jährige Magdeburgerin und verweist auf die 18 Wahlkämpfe, die sie bereits bestritten habe.

Inhaltlich sind an diesem Abend kaum Differenzen auszumachen. Die Bewerber preisen den Wert der Freiheit, sie fordern, der Staat müsse Unternehmer in Frieden arbeiten lassen statt sie mit Bürokratie zu behelligen und den Wettbewerb mit Subventionen zu verzerren. Deshalb geht es bei den Fragen der Mitglieder immer wieder um die Frage, wieviel Neuanfang die Partei braucht. "Ihr habt eure Chance gehabt. Warum gebt ihr beide nicht jungen Gesichtern eine Chance?", fragt Erika Rzejak aus Nordgermersleben (Landkreis Börde) in Richtung Hüskens und Wolpert. Wie glaubwürdig wirkt die FDP mit Personal von gestern?, fragt ein anderer. "Die Frage finde ich schräg", gibt Wolpert zurück. "Ich habe die Klatsche bei der Landtagswahl 2011 abbekommen, aber ich bin nicht der Hauptverantwortliche." Der 36-jährige Sitta trägt via Skype von seinem Brüsseler Hotelzimmer aus vor, was für ihn spricht: "Ich kann im Wahlkampf sagen, das ist alles Vergangenheit. Das hat mit mir nichts zu tun."

   

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