Rostock l Ein Donnerstagnachmittag auf dem Gelände der Nachwuchsakademie des FC Hansa Rostock. Am Rande des Platzes beobachten einige Eltern, wie ihre Knirpse versuchen, den Ball um die bunten Kegel zu dribbeln. Hier haben auch Toni und Felix Kroos Fußball gespielt. Auch Roland Kroos hat seine Söhne auf den Fußballplatz begleitet, aber nie als Vater am Spielfeldrand. Für viele Jahre war er Tonis und Felix´ Trainer. Eine Doppelrolle, die Roland Kroos - so hat es den Anschein - auch außerhalb des Trainingsplatzes spielte.

An die Wand hinter seinem Schreibtisch in der Vereinsgeschäftsstelle hat Hansas A-Jugendtrainer Autogrammkarten seiner Söhne angeheftet und ein Plakat aufgestellt: Toni hält 2013 jubelnd im Bayern-Trikot den Champions-League-Pokal in die Höhe. Noch ergreifender sei der Moment gewesen, als Toni mit der Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister wurde, sagt der Vater. "Ja", räumt er ein, "ich bin stolz auf meine Söhne." Auf seinen eigenen Anteil an deren Karriere sei er "nicht stolz, sondern glücklich und zufrieden, dass die beiden ihren Traum leben können".

Toni und Felix wuchsen in Greifswald in einem äußerst sportorientierten Elternhaus auf. Roland Kroos hat als Ringer in der Kinder- und Jugendsportschule Luckenwalde die intensive DDR-Sportförderung miterlebt. Nach einer Handverletzung wechselte er zum Fußball und spielte bei der Betriebssportgemeinschaft KKW Greifswald. Mutter Birgit wurde im Badminton mehrmals DDR-Meisterin.

Mit vier und fünf Jahren spielten die Kroos-Brüder bereits Badminton. Aber noch vor der Einschulung entdeckten sie den Fußball für sich. Vater Roland stieg bei ihrem Verein Greifswalder SC als Jugendtrainer ein. "Fußballerisches Talent erkennt man an den Bewegungsabläufen, wie schnell ein Junge dazulernt und ob er schon in jungen Jahren vorausschauend spielt. Dann kommen natürlich Schnelligkeit und Athletik hinzu." Recht viel davon hatte Kroos bei seinen Jungs von Anfang an entdeckt.

"Du kommst vom Platz nach Hause, aber es hört nicht auf mit Fußball."

"Wir haben viel zusätzlich gemacht. Beide Jungs waren fußballverrückt." Häufig hat er mit Toni und Felix Technik geübt, bevor es mit den Freunden auf den Bolzplatz ging. Den Ball passen, stoppen, mitnehmen, schießen. "Eine gute Technik und das mit beiden Füßen: Das ist wichtig heutzutage", sagt Kroos. Dann erst könne ein Spieler den Gegner und den Raum sehen.

"Ich habe stets die Freude am Spiel betont", versichert Roland Kroos. "Die Jungs haben Spaß gehabt. Man darf Kindern nicht das Gefühl geben, man zwinge sie dazu." War er trotzdem streng? "Streng ist das falsche Wort. Aber ab einem gewissen Alter gehören eine gewisse Ordnung und Disziplin dazu."

2002 fiel Toni Kroos den Scouts von Hansa Rostock auf. Sie wollten den Jungen aufs Internat der Nachwuchsakademie holen. "Bei uns stand jedoch fest", berichtet Roland Kroos, "dass wir nur als Familie nach Rostock umziehen." Er hatte sich als Jugendtrainer in Mecklenburg-Vorpommern einen Namen gemacht. "Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mannschaft damals gegen Hansa Rostock verloren hätte." So bekam er einen Vertrag bei Hansa - und den Söhnen blieb das Internat erspart.

"Am Ende haben alle profitiert."


Dank der qualifizierten Jugendarbeit bei Hansa, so Roland Kroos, "musste man nicht mehr so viel extra machen. Man hatte ein gutes Gefühl". Er holte seine Söhne dennoch aus dem Sportunterricht der Schule, um mit ihnen ein paar Extra-Schichten Freistöße zu üben. Er habe jedoch "nie gesagt, sie sollen Profi-Fußballer werden. Sie sollten anständige Menschen werden." Es sei sowieso nicht gut, "wenn man mehr will als das Kind. Dann geht die Lockerheit verloren."

Toni Kroos stach bald aus allen seinen Teams hervor. Der FC Bayern wurde auf ihn aufmerksam. 2006 entschied sich der Fußball-Hochbegabte, nach München zu gehen. Felix Kroos, wie sein Bruder mehrfacher Jugendnationalspieler, spielte drei Jahre später erstmals für Hansa Rostock in der 2. Bundesliga.

Loslassen konnte Roland Kroos anfangs nicht. Als Toni bei Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann nur auf der Ersatzbank saß, sorgte er dafür, dass sein Sohn 2009 zu Bayer Leverkusen ausgeliehen wurde. "Da ist man dann Vater und macht sich Sorgen, wenn man weiß, der Sohn hat Talent und kann sich nur weiterentwickeln, wenn er spielt." Nach seiner Rückkehr zu den Bayern war Toni Kroos vier Jahre lang Stammspieler bei den Bayern. Roland Kroos: "Das zeigt doch, dass man Recht hatte. Am Ende haben alle profitiert."

Felix Kroos berichtete vor kurzem in einem NDR-Interview etwas überzogen von der "harten Schule" seines Vaters. "Du kommst vom Fußballplatz runter, kommst nach Hause, aber es hört nicht auf mit Fußball." Dennoch sei er unendlich dankbar für das, was sein Vater für seine Fußball-Söhne getan habe. Roland Kroos: "Das freut einen natürlich."