Calbe l "Ich muss die traurige Nachricht verkünden, dass in der Nacht zu Freitag unsere Bärin Jette, welche seit etwa 42 Jahren im Tiergehege Wartenberg lebte, verstorben ist", sagte der Calbenser Bürgermeister Sven Hause.

Nachdem die Tierpflegerinnen bei der betagten Braunbärin bereits in den vergangenen Tagen einen zunehmenden Bewegungsmangel verzeichneten, verabreichte ein Tierarzt dem Tier mehrfach ein Schmerzmittel. "Leider verbesserte sich der Zustand von Jette nicht", sagt Hause und Bedrückung liegt in seiner Stimme.

Am Freitagmorgen wurde Tierarzt Dietrich Horrmann unverzüglich herbeigeholt, um ihren Tod festzustellen. "Es ist eindeutig, dass bei Jette im hohen Alter die Kräfte nachgelassen haben", attestiert Horrmann. In diesem Zusammenhang sei es offenbar zu einem altersbedingten Herzversagen gekommen.

Um die genaue Diagnose feststellen zu lassen, wurde das Tier unverzüglich in das Institut für Veterinärpathologie am Universitätsklinikum Leipzig überführt. "Wir rechnen im Verlauf der nächsten Woche mit einem endgültigen Befund", kündigt Calbes Stadtoberhaupt an. Für Calbenser als auch Besucher des Wartenberges war die Bärin Jette fast ein halbes Jahrhundert die Attraktion schlechthin. Generationen von Kindern zog es wegen ihr immer wieder in das Naherholungsgebiet und Tiergehege. "Nunmehr hat uns eines der ältesten Tiere seiner Art in Mitteldeutschland verlassen, was sicher nicht nur mich sehr traurig stimmt", sagte Hause.

Schnell machte die Nachricht vom Tod gestern in der Saalestadt und im Internet die Runde. Im sozialen Netzwerk Facebook spricht Susanne Schnürpel wohl das aus, was viele weitere fühlen: "Jette, du wirst uns fehlen." Und während Guido Elstner die schönen Kindheitserinnerungen mit der Braunbärin verbindet, schlägt Angelique Malzahn ein Denkmal für die verstorbene Jette vor, und Thomas Williges ist in Gedanken bei den beiden Tierpflegerinnen, die über Jahre mit "Liebe und Hingabe" für Jette dagewesen sind.

1972 waren die Jungtiere Jette und Peter ein Geschenk der Sowjetarmee an die Saalestadt. Seitdem lebten beide auf dem Wartenberg, zuletzt Jette allein in dem als "Bärenbolle" gestalteten Außgengehege. Vor zwei Jahren erhielt Jette weltweite Aufmerksamkeit, als Tierschützer die Haltungsbedingungen anprangerten und mit tausenden E-Mails binnen kürzester Zeit den Rathausserver lahm legten. Kurz darauf besserte die Stadt nach.

Mit dem Tod Jettes ist zweifellos eine Ära der Saalestadt zu Ende gegangen.

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