Magdeburg l Gut 500 Millionen Euro gibt das Land Sachsen-Anhalt jährlich für die Versorgung psychisch Kranker aus. Das geschieht aber weitgehend ungeplant, kritisiert der Ausschuss für Angelegenheiten der psychiatrischen Krankenversorgung in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Die Folge: Ob psychisch Kranke mit einer guten Versorgung rechnen können, hängt davon ab, wo sie wohnen.

Nur der Saalekreis, die Stadt Halle und der Landkreis Stendal hätten überhaupt eine Psychiatrieplanung, kritisierte der Vorsitzende des Ausschusses, Bernd Langer. Entsprechend unterschiedlich falle die Versorgung der Betroffenen aus, etwa in der Drogen- und Suchtberatung. Während in Dessau eine Betreuungsfachkraft auf knapp 19000 Bewohner kommt, liegt das Verhältnis im Landkreis Wittenberg schon bei 1 zu 52000.

Schwere Mängel wegen schlechter Planung und verfehlter Sparbemühungen moniert Langer auch im Maßregelvollzug für psychisch kranke Rechtsbrecher. Die personelle Situation in der Maßregelvollzugsklinik Bernburg sei so angespannt, dass therapeutische Angebote eingeschränkt werden mussten.

So kann dort derzeit kein Anti-Aggressionstraining angeboten werden, obwohl 60 Prozent der Patienten nach Gewaltdelikten eingewiesen wurden. "Eigentlich hätte es dort einen Ersatz für die zuständige Trainerin geben müssen, die sich momentan in Elternzeit befindet", so Langer. Zudem sei Bernburg völlig überfüllt. "Obwohl die Einrichtung nur Kapazitäten für 179 Patienten hat, werden dort derzeit 196 betreut."

Nicht weniger angespannt sei die Lage im Maßregelvollzug Uchtspringe.

Langner kritisierte darüber hinaus, dass nach wie vor zu viele Menschen in Werkstätten für Behinderte untergebracht werden, statt sie wieder im regulären Arbeitsmarkt zu inte-grieren. "Wer erst einmal in einer Werkstatt arbeitet, verliert schnell das Interesse daran, sich um einen regulären Job zu bemühen." Während bundesweit fünf von 1000 Menschen in Behindertenwerkstätten arbeiten, sind es in Sachsen-Anhalt acht von 1000.

Den Bericht des Ausschusses übergab Langer am Mittwoch dem zuständigen Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) und Landtagspräsident Detlef Gürth (SPD). "Der Bericht hält uns den Spiegel vor und zeigt auf, womit sich die Politik in nächster Zeit beschäftigen muss", sagte Gürth. Bischoff betonte, er wolle die psychiatrische Versorgung verbessern. "Es ist ein Schwerpunkt bei uns im Haus, es spiegelt sich nur nicht so wider."

Für den Bericht waren die Besucherkommissionen des Ausschusses, die aus Fachleuten mit unterschiedlicher Expertise bestanden, zwischen Mai 2013 und April 2014 in insgesamt 46 Einrichtungen unterwegs. Sie informierten sich dabei über den Umgang mit psychisch Kranken und Suchtkranken.