So entsteht Tiefkühlpizza

Vorbereitungen: Nach dem Wareneingang werden die Rohstoffe überprüft. Das Tomatenpüree wird in Trichter gefüllt und mit eigenen Gewürzen verfeinert.

Bäckerei: Der Teig wird gelagert, geknetet und ausgerollt. "Durch unsere schonende Zubereitungen ist unser Boden locker und luftig", erklärt Hasa-Betriebsleiter Michael Kübler. Später werden die Pizzarohlinge ausgestanzt und mit Tomatensoße belegt. Dann fahren die Pizzen auf ein Fließband in den Steinofen. Bei 330 Grad werden sie 70 Sekunden lang vorgebacken.

Belegen: Nach dem Backen müssen die Pizzen kurz abkühlen. Erst dann können sie mit Käse belegt werden. Der Edamer kommt in 15-Kilo-Blöcken ins Werk, wird dort dann gerieben. Anschließend wird der Belag maschinell belegt. Salami oder Gemüse sind dabei gefroren.

Verpacken/Lagerung: Nach dem Belegen wird die fertige Pizza eingefroren – eine halbe Stunde bei minus 47 Grad. Dann wird die Pizza eingeschweist und in einen Karton verpackt. Vor dem Verlassen des Werkes durchläuft die Pizza einen Metalldetektor. Auf einer Pallette wandert der Karton in das Kühllager.

Burg l Großkonzerne verstehen keinen Spaß. 2006 bringt der mittelständische Pizzabäcker Hasa aus Burg seine ersten eigenen Tiefkühlsorten auf den Markt. Wöchentlich flattern damals Briefe auf die Schreibtische der beiden Geschäftsführer Holger Pitsch und Andreas Czayka. Die Inhalte sind unerfreulich. Die großen Tiefkühlpizzahersteller Dr. Oetker, Wagner und Freiberger, der auch in Osterweddingen (Landkreis Börde) produziert, klagen.

Mit ihren Rechtsabteilungen hinterfragen die Konzerne die Aufmachung der Packungen, bemängeln die Produktnamen des neuen Konkurrenten. Die könnten den Kunden ja in die Irre führen. Störfeuer nennt Andreas Czayka diese Vorkommnisse heute. "Das Ziel war es, den Markteintritt eines neuen Unternehmens zu verhindern", erklärt der 59-Jährige. Geklappt hat das nicht. Die Pizza aus Sachsen-Anhalt hat sich etabliert in dem seit Jahren wachsenden Markt für Tiefkühlpizzen.

Im vergangenen Jahr stand die Pizza aus der Kühltruhe hierzulande fast 850 Millionen Mal auf dem Speiseplan. Im Durchschnitt sind das gut elf Pizzen pro Bundesbürger, wie aus der Statistik des Deutschen Tiefkühlinstituts hervorgeht. Vor 15 Jahren waren es noch fünf Pizzen und damit halb so viele. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen.

Die Sucht der Deutschen nach der Tiefkühlpizza

Die Pizzen aus Burg finden sich in den Kartons vieler Lebensmittelhändler. Edeka, Kaufland oder Norma vertreiben mit ihren Eigenmarken die italienische Tiefkühlware aus Sachsen-Anhalt. Zu einem Großteil produziert das Unternehmen aber auch seine eigenen Kreationen. Etwa eine Pizza "Amore" in Herzform, die besonders gerne zum Valentins- oder Muttertag gekauft wird.

"Unsere Pizza soll immer schmecken wie beim Italiener", sagt Andreas Czayka. Dafür verzichten die Pizzabäcker aus Burg auf Konservierungs- und Farbstoffe, künstliche Backtriebmittel oder Geschmacksverstärker. Rund 100 verschiedene Pizzasorten werden von 170 Mitarbeitern in drei Schichten produziert. "Billig war nie unser Konzept", erklärt Holger Pitsch. "Wir wollten mit Qualität den Markteintritt schaffen, haben immer an uns geglaubt."

2003 ist der Start schwierig. Geld von einer Bank bekommen die beiden aus Lübeck stammenden Geschäftsmänner nicht. "Die Kreditgeber hatten damals zu Recht Zweifel, dass wir in diesem konzernbetonten Markt einen Zugang finden", erinnert sich Czayka. Die beiden Männer sammeln trotzdem 13 Millionen Euro ein. Vor allem aus eigenem Privatvermögen, von Investoren aus Bayern und durch Subventionen des Landes Sachsen-Anhalt. 2006 wird auf der grünen Burger Wiese die erste Produktionshalle gebaut. Mit einer Kapazität von 36 Millionen Pizzen im Jahr beginnt die Fertigung.

Die ersten Fertigprodukte verkaufen die Burger an die Handelskette Plus. Danach wächst die Nachfrage rasch. 2010 wird die bestehende Fertigungslinie auf 60 Millionen Pizzen im Jahr erweitert. 2011 wird ein neues Hochregallager in Betrieb genommen. Ein Jahr später ist eine neue Produktionslinie fertiggestellt. Mittlerweile können bis zu 120 Millionen Pizzen jährlich das Werk verlassen. Insgesamt sind über 35 Millionen Euro in den Standort investiert worden. Im kommenden Jahr nehmen Pitsch und Czayka rund vier Millionen Euro in die Hand, um wieder das Lager zu erweitern.

"Andere haben mehr Geld, aber wir sind schneller"

Der kleine Tiefkühlpizzahersteller aus Burg hat sich gegen die großen Konzerne behauptet. "Wir sind das einzige mittelständische Unternehmen unter den Pizzaherstellern in Deutschland. Andere haben zwar mehr Geld, aber wir sind schneller", erklärt Andreas Czayka. Entscheidungswege sind kurz, auf Entwicklungen im Markt kann die Firma schneller reagieren. Innerhalb von 90 Tagen entwickelt Hasa für Supermarktketten eine neue Pizzamarke. Von der Rohware über die Rezeptur bis zur Verpackung. "Das schafft sonst keiner", behauptet Czayka.

Die eigenen Produktentwickler arbeiten dabei mit den Mitarbeitern der Discounter zusammen. Was zeichnet eine leckere Pizza aus? "Das Mundgefühl ist sehr wichtig", sagt der Kenner, Produktentwickler Steffen Ehrecke. Der 34-Jährige kreiert seit Unternehmensgründung neue Pizzen für Hasa. Rund zwei Monate nimmt die Entwicklung einer neuen Sorte in Anspruch. "Das Erfolgsrezept liegt darin, etwas Neues zu nehmen und trotzdem auf Dinge aufzubauen, die unsere Kunden bereits kennen", erklärt Ehrecke.

Experimentiert wird beim Belag. Der Teig ist altbewährt. Nur Mehl, Hefe, Salz, Wasser und Olivenöl kommen in den Boden. Der, sagt Czayka, ist für eine gute Steinofenpizza entscheidend. Nicht nur für die Pizza.

Auch für ein gesundes Unternehmen muss das Fundament stimmen. Verantwortliche müssen miteinander harmonieren und sich ergänzen. Holger Pitsch und Andreas Czayka kennen sich ein halbes Leben. Über 30 Jahre. Czayka ist mit der Schwester seines Geschäftspartners verheiratet. Im kommenden Jahr will Hasa verstärkt seine Produkte in andere europäische Länder exportieren und die aktuelle Ausfuhrquote von nur fünf Prozent erhöhen. In Skandinavien, Frankreich und Österreich soll die Firmengeschichte weitergeschrieben werden.

   

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