Zusatzbeiträge machen den Unterschied
Der einheitliche Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung sinkt ab 2015 von derzeit 15,5 Prozent vom Bruttoeinkommen auf 14,6 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden davon jeweils 7,3 Prozent bezahlen. Bislang mussten Arbeitnehmer noch 0,9 Prozent Sonderbeitrag allein finanzieren. Dieser Betrag fällt weg.
Dafür können die Kassen Zusatzbeiträge erheben, die allein die Arbeitnehmer zu zahlen haben. Der Schätzerkreis, zu dem auch Experten des Bundesgesundheitsministeriums gehören, prognostizierte einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozentpunkten.
Experten rechnen damit, dass künftig die Zusatzbeiträge wegen steigender Kosten deutlich zulegen werden. Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem kalkuliert für 2017 zum Beispiel Zusatzbeiträge von 1,3 bis 1,5 Prozentpunkten.

Magdeburg I Rund 700000 Versicherte der Krankenkasse AOK in Sachsen-Anhalt zahlen ab 1.Januar einen niedrigeren Beitragssatz als bisher. Der Verwaltungsrat habe einen Satz von 14,9 Prozent ab dem 1.Januar 2015 beschlossen, teilte die AOK am Freitag mit. Er wird damit um 0,6 Prozentpunkte gesenkt, was je nach Einkommen einer Ersparnis von bis zu 300 Euro im Jahr entspricht.

Wegen der Gesundheitsreform sinkt der Beitragssatz für alle Krankenkassen 2015 auf 14,6 Prozent. Die Versicherungen können aber prozentuale Zusatzbeiträge nehmen. Bei der AOK liegt der bei 0,3 Prozentpunkten und damit deutlich unter dem, was Experten erwartet haben. "Viele Krankenkassen gehen davon aus, dass bei Ausgabensteigerungen das Geld nicht ausreicht und kalkulieren deshalb mit einem Zusatzbeitrag in Höhe von durchschnittlich 0,9 Prozent", erklärte Traudel Gemmer, Vorsitzende des Verwaltungsrates der AOK Sachsen-Anhalt.

Durch die gesetzliche Beitragssenkung will die Bundesregierung mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Kassen erreichen. Die Konkurrenz reagierte am Freitag allerdings verhalten auf den Vorstoß der AOK.

"Erst wenn uns die Informationen über die Einnahmeseite vorliegen, können wir solide kalkulieren", sagte Jens Hennicke, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) Sachsen-Anhalt. Mitte November steht fest, wie viel Geld alle Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Über diesen Topf werden die Versicherungen finanziert. Bei der Techniker Krankenkasse, der Barmer GEK und der DAK Gesundheit wird im Dezember die Entscheidung über die Höhe des Zusatzbeitrags fallen.

Der Beitragssatz der AOK sei eine Kampfansage, war am Freitag aus Versicherungskreisen zu hören. Hennicke betonte aber für die TK: "Wir waren nie eine Billigkasse und wollen es nicht sein. Es ist ein Fehler, die Qualität einer Krankenkasse ausschließlich an ihrem Preis festmachen zu wollen." Vielmehr zähle ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Experten bezweifeln, dass durch den derzeit niedrigen Beitragssatz der Wettbewerb unter den Kassen nachhaltig zunehmen wird. Horst Gischer, Wirtschaftswissenschaftler der Uni Magdeburg, geht davon aus, dass die Beiträge langfristig wieder steigen. "Mit niedrigen Beiträgen werben die Kassen um neue Kunden. Das geht nur, bis die Rücklagen aufgebraucht sind."